Verkaufspläne von Nicolas Berggruen : Karstadt im Sonderangebot

Eigentümer Nicolas Berggruen will Karstadt angeblich wieder abstoßen und zum Preis von einem Euro an René Benko verkaufen. Was bedeutet das für das Traditionshaus?

Berichten zufolge könnte der Österreicher René Benko Karstadt für einen Euro übernehmen.
Berichten zufolge könnte der Österreicher René Benko Karstadt für einen Euro übernehmen.Foto: dpa

Kaum fünf Tage ist es her, dass Eva-Lotta Sjöstedt überraschend ihr Amt als Karstadt-Chefin niedergelegt hat – nach gerade einmal viereinhalb Monaten. Sie habe nicht die nötige Unterstützung des Eigentümers Nicolas Berggruen erhalten, begründete sie diesen Schritt. Womöglich ist damit noch etwas ganz anderes gemeint, als viele zunächst mutmaßten: Einem Bericht zufolge verhandelt Berggruen bereits über den Verkauf der Kette.

Wer ist der Käufer?

Berggruens Unternehmen, die Berggruen Holding, sei in Gesprächen mit der Finanzgruppe Signa über eine Übernahme der 83 Warenhäuser, meldet die „Bild“-Zeitung und beruft sich dabei auf gut unterrichtete Kreise. Signa gehört dem österreichischen Investor René Benko, der bereits die 75-prozentige Mehrheit an den Luxuskaufhäusern KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München und den Sporthäusern hält. Dem Blatt zufolge wurden Benko 70 Prozent von Karstadt zum Preis von nur einem Euro angeboten.

Wie wahrscheinlich ist das?

Schon als Nicolas Berggruen Anfang vergangenen Jahres den Konzern spaltete und die Premiumsparte an Benko veräußerte, hieß es, der Tiroler erhalte überdies die Option, auch die Mehrheit an den klassischen Karstadt-Häusern zu erwerben. Offiziell bestätigt wurde das jedoch nie. Auch am Freitag wollte sich keiner der Beteiligten dazu äußern. Berggruen hatte das insolvente Unternehmen 2010 ebenfalls für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen. Im ersten darauffolgenden Geschäftsjahr fuhr das Unternehmen einen Verlust von 158 Millionen Euro ein, schaffte seither die Trendwende nicht. Der Marktwert ist folglich nicht gerade gestiegen. Zumal die lukrativen Häuser längst aus der Unternehmensmasse entfernt wurden: 300 Millionen Euro hat Benko 2013 dafür bezahlt.

Warum ist Sjöstedt gegangen?

„Als ich mich im vergangenen Herbst dazu entschied, nach Essen zu gehen, tat ich dies in fester Annahme, ein angeschlagenes, in einer sehr schwierigen Situation befindliches Unternehmen übernehmen und entwickeln zu dürfen“, schrieb Sjöstedt in ihrer Abschiedserklärung. Berggruen habe ihr damals die volle Unterstützung für Strategie und Investitionspläne zugesichert. Die Voraussetzungen seien nun „nicht mehr gegeben“. Klar scheint, dass Berggruen nicht bereit war, aus seinem umfangreichen Privatvermögen in Karstadt zu investieren – laut dem US-Magazin Forbes verfügt er über 1,9 Milliarden US-Dollar, rund 1,4 Milliarden Euro. Gibt Berggruen Karstadt ganz auf, hätte das Sjöstedts Position keinesfalls gestärkt. Benko hätte Führungspositionen womöglich neu besetzt. Als noch wahrscheinlicher muss aber gelten, dass er Karstadt im Falle eines Kaufs komplett abwickelt.

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