Zeitung Heute : Verlassene Radarstationen zu verschenken

Der Tagesspiegel

Von Thorsten Metzner

Potsdam. „Skurrile Objekte“, sagt Joachim Klinke, „haben wir in Hülle und Fülle anzubieten.“ Der Geschäftsführer der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) hat zum Beispiel verlassene Radarstationen im Angebot, für die sich bislang kein Investor finden will. „Wahrscheinlich können wir sie verschenken.“ Da wäre noch jener unterirdische Zwei-Etagen-Bunker bei Lychen in „ausgezeichnetem Zustand“, in dem die russischen SS-20-Atomsprengköpfe stationiert waren. „Wir haben der Bundesbank angeboten, dort die Euromünzen für die Umstellung zu lagern. Aber es war ihr zu weit“.

Auch ein besonders geheimnissvolles Stück: Mitten auf einem Acker nahe der Stadt Brandenburg plötzlich eine Metall-Klappe, zweimal zwei Meter, ein Raum drunter, über dessen einstige militärstrategische Bedeutung für den Warschauer Pakt man nur rätseln kann. „Wahrscheinlich hatte er gar keine Funktion.“ Als BBG-Geschäftsführer ist Joachim Klinke gewissermaßen der Verkäufer der „Problemimmobilien“ des Landes Brandenburg. Und davon gibt es, Kehrseite des ausbleibenden Aufschwungs, noch immer genug. Dazu zählen nicht nur frühere Kasernenareale, zu deren Verwertung die landeseigene Brandenburgische Bodengesellschaft nach Abzug der russischen Truppen ursprünglich gebildet worden war. Inzwischen kamen verfallene Schlösser und Herrenhäuser hinzu, verlassene Forsthäuser, ehemalige LPG-Ställe, Wälder und Äcker oder auch ein früheres NS-Militärhauptquartier, über das Klinke lieber schweigt, damit es nicht ein Wallfahrtsort wird.

„Filetstücke hatten wir jedenfalls noch nie“, sagt Klinke. Und erzählt mit bedauerndem Unterton von der einzigen Ausnahme, der früheren amerikanische Militärmission in Neufahrland. Aber die bekam jetzt vor Gericht prompt eine Hohenzollernprinzessin zugesprochen, die auf Rückgabe früheren Eigentums geklagt hatte. Aus ihren Verkäufserlösen, so das Prinzip, hat die BBG die Sanierung von Altlasten, den Abriss von Ruinen, die Beseitigung von Kampfmitteln oder auch die Anlage von Rad- und Wanderwegen selbst zu finanzieren – und ihre eigene Existenz. Und dies bei einem immer schwierigeren Immobilienmarkt im Land, mit diversen Ladenhütern im Angebot. Wie lange kann das funktionieren? Bahnt sich da womöglich die nächste Pleite einer Landesgesellschaft an, nachdem bereits die Brandenburgische Landgesellschaft (BLG) und die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) liquidiert werden mussten? Klinke weiß um solche Befürchtungen bei Landtagsabgeordneten. Nicht ohne Grund betont er bei der Präsentation der BBG-Bilanz für das Jahr 2001: „Wir haben auch im siebten Jahr unseres Bestehens keine Kredite aufgenommen. Wir haben keine Schulden“. Und versichert, dass es dabei auch im Jahr 2002 bleiben soll, obwohl die Verwertung der Liegenschaften „immer schwieriger“ wird. Im vergangenen Jahr hat die BBG Grundstücke für 11,9 Millionen Euro veräußern können. Im Jahr 2000 waren es 13,6 Millionen Euro. Hätte sich in Potsdam der Verkauf der „Grauen Kasernen“ an Hasso Plattner nicht verzögert, wäre das Vorjahresergebnis übertroffen worden. Die wirtschaftlich gesunde BBG, so die Botschaft, bleibt eine Ausnahme unter den in Misskredit geratenen märkischen Staatsfirmen.

Die Brandenburgische Landgesellschaft (BLG) musste die Regierung nach Millionenverlusten bereits vor einigen Jahren liquidieren. Die Bodengesellschaft versucht noch immer, die BLG-Immobilien in den Dörfern zu verwerten, um das Defizit wenigstens zu minimieren. Dass die BBG bald auch für die Verwertung der Immobilien der derzeit abgewickelten Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zuständig wird, liegt da nur nahe, ist aber nach Auskunft von Klinke „nicht spruchreif.“ Den Argwohn mancher PDS- und SPD-Abgeordneter, dass mit dem immer mehr expandierenden „BBG-Gemischtwarenladen“ heimlich eine „zweite LEG“ heranwächst, weist Klinke zurück: „Das wird nicht sein“ . Schließlich übernehme die BBG keine Projekte ohne klare Risikoabschätzung.

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