Zeitung Heute : Verlieben erlaubt: Was heißt schwul sein?

Susanna Nieder

Bestimmt habt ihr mitbekommen, dass wir einen neuen Bürgermeister haben. Er heißt Klaus Wowereit. Vor kurzem sagte er einen Satz, der seither ständig wiederholt wird: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so."

Was schwul heißt, wisst ihr sicher. Schwul ist ein Mann, der sich nicht in Frauen verliebt, sondern in andere Männer. Frauen, die sich in Frauen verlieben, nennt man lesbisch. Vor langer Zeit störte es keinen, wenn jemand schwul oder lesbisch war. Wenn ihr schon die griechischen Sagen durchgenommen habt, kennt ihr vielleicht den Namen Achill. Er war einer der größten Helden im alten Griechenland, und dass er keine Frau hatte, sondern einen Mann, fanden die Griechen völlig in Ordnung. Es gab dort auch die Dichterin Sappho, die Liebesgedichte an Frauen schrieb - ebenfalls kein Problem für die Griechen.

Doch die Zeiten änderten sich. Über viele Jahre wurden Menschen verfolgt und sogar umgebracht, weil die Mehrheit fand, dass Männer nur Frauen lieben dürfen und Frauen nur Männer. Selbst heute gilt "schwul" bei manchen noch als Schimpfwort, oder sie machen sich lustig darüber. Und warum? Schwule Männer und lesbische Frauen sind nicht böser, dümmer oder hässlicher als der Rest der Menschheit. Sie sind nur ein klein bisschen anders, in einem einzigen Punkt. Aber das genügt manchen schon, um sie abzulehnen. Das ist so ähnlich wie mit der Fremdenfeindlichkeit. Und weil kein Mensch wegen etwas abgelehnt werden will, das er nicht ändern kann und das auch keinem schadet, trauen sich viele nicht, darüber zu reden, dass sie schwul oder lesbisch sind. Deshalb hat Klaus Wowereit gesagt: "Ich bin schwul, und das ist gut so". Um der Welt zu zeigen, dass das kein Grund ist, sich zu schämen.

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