Zeitung Heute : "Verlust von Freiheit und Würde" - Johannes Rau kritisiert die TV-Serie

Bundespräsident Johannes Rau sieht in der umstrittenen Fernseh-Serie "Big Brother" eine "Grenze überschritten". Rau sagte am Freitag in Memmingen, er empfinde es als traurig, wenn Medien Menschen mit der Aussicht auf viel Geld dazu verlockten, "scheinbar freiwillig" ihre Freiheit aufgeben. Es gehöre zur Würde der Person, dass sie einen Kern habe, der unveräußerlich sei und ganz und gar ihr gehöre. Doch Privatheit und Öffentlichkeit gingen zurzeit in nie gekannter Weise ineinander über.

Rau warnte: "Paradoxerweise bedroht gerade das freiwillige Mittun die persönliche Freiheit." Ihr Wert werde offenbar längst niedriger eingeschätzt als andere Werte. Das Bedürfnis nach Unterhaltung scheine für viele an erster Stelle zu stehen und alles zu rechtfertigen. Der Bundespräsident sagte: "Das Schlimmste daran scheint zu sein, dass der Verlust von Freiheit und Würde, von Scham und persönlicher Intimität gar nicht als Verlust wahrgenommen wird." Die wichtigste Voraussetzung für Freiheit sei aber, "dass wir ihren Wert auch erkennen, dass wir sie wirklich wollen".

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