Zeitung Heute : Vermeidbare Sprachkeulen

Wenn Oberlehrergetue und Uni-Slang aufeinanderstoßen

Constantin Gillies

„Dann brauchen Sie das ja nur noch abzunicken!“, lacht der Nachwuchsmanager triumphierend in die Runde. Aber irgendwie will kein Jubel aufkommen. Die alten Hasen am Tisch gucken sich unschlüssig an. „Vielen Dank für Ihre Ausführungen“, grummelt der ältere Abteilungsleiter, aber „abnicken“ wolle er noch gar nichts. Autsch. Erst jetzt merkt der Youngster, warum die Fraktion 50plus so kühl reagiert: Mit dem Wort „abnicken“ hat er die Kollegen unbewusst beleidigt. Frühstücksdirektoren, die zu allem Ja und Amen sagen, will hier keiner sein.

Ein Missverständnis, wie es tagtäglich in Unternehmen vorkommt: Junge Nachwuchskräfte, frisch von der Uni und hochkompetent, schießen sich sprachlich selbst ins Knie. Die fast unvermeidliche Folge: Vorgesetzte aus der Grauhaarfraktion beschweren sich über den unfähigen Nachwuchs. Die jungen High-Potentials sind allerdings nicht arrogant oder etwa inkompetent – lediglich ihre Sprache suggeriert das.

Kommunikationstrainerin Meike Müller kennt die Probleme, wenn Alt und Jung aufeinander treffen. „Häufig sagen Nachwuchskräfte Dinge wie ,Das haben wir auf der Uni aber ganz anders gehört’“, berichtet die Berliner Buchautorin. Gerade dieses Oberlehrer-Getue führe häufig zu Reibereien mit dem angestammten, älteren Management. Dabei wären die Youngster besser beraten, nicht gleich die große Sprachkeule zu schwingen, sondern erstmal zuzuhören. Müller: „Vielleicht gibt es ja gute Gründe, warum die Dinge anders als auf der Uni gemacht werden.“

Eine weitere Sprachmarotte der Jungen ist das Denglisch. IPO, workflow, shareholder value – gerade junge Führungskräfte greifen gerne auf diese Begriffe zurück, weil sie glauben, so ihre Fachkompetenz unterstreichen zu können. Überflüssig ist der US-Slang vor allem dann, wenn der Redner weiß, dass sein Publikum die Worte nicht versteht: „Setzen Sie Worte nie als Waffe ein“, warnt Cornelia Topf, Management-Trainerin aus Augsburg. In ihrer Coachingpraxis erlebt sie täglich, wie junge Führungskräfte es mit dem Englisch übertreiben. „Erst letztens bat mich einer meiner Kunden, doch mal auf sein ,Wording’ zu achten“, lacht Topf. Den Begriff ,Wortwahl’ schien er nicht mehr zu kennen.

Die dritte Station der Sprachmüll-Abfuhr ist der Studenten-Slang. „Schlepptop“ statt Laptop oder „Fuffi“ statt Fünfziger sagen und nicht zur Toilette, sondern „für kleine Jungs / Mädels“ gehen – all das passt zwar in die Asta-, aber nicht in die Abteilungssitzung. Absolventen, so empfehlen Karriereberater unisono, sollten sich diese nassforschen Floskeln beim Eintritt in die Arbeitswelt schleunigst abgewöhnen.

Ihrer Erfahrung nach kommt auch die studententypische Selbstironie in Konzernzentralen nicht gut an. Wer etwa nach einem Vortrag sagt „Das aber ich doch wieder gut hingekriegt, oder?“ kann keinen Beifall erwarten. Coach Cornelia Topf warnt: „Das wirkt unsicher.“

Wie aber können Nachwuchsmanager diese Marotten loswerden? Kommunikationstrainerin Müller gibt einen einfachen Tipp: „Üben Sie mit jemandem, der nicht aus ihrem beruflichen Umfeld stammt!“ Sogar der eigene Partner könne – richtig instruiert – ein guter Sprachtrainer sein.

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