Zeitung Heute : Vermessen, wo der Pfeffer wächst

Franz Wilhelm Junghuhn, der „Humboldt von Java“, wird in einer Ausstellung vorgestellt

Thilo Habel

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts macht sich Alexander von Humboldt an die „Vermessung der Welt“. Wie in Daniel Kehlmanns gleichnamigem Bestseller sehr vergnüglich nachzulesen ist, kämpfte sich Humboldt durch Urwald und Steppe, befuhr den Orinoko, bestieg Vulkane. Dank der gewaltigen Forschungsleistungen europäischer Wissenschaftler, die allerdings auch den massiven wirtschaftlichen Interessen der Kolonialherren dienten, waren zur Mitte des 19. Jahrhunderts – vom Inneren Afrikas abgesehen – weite Teile des tropischen Asien und Südamerika bereits gut dokumentiert.

Tropen, das sind nicht allein fast menschenleere Regenwälder und einsame Palmenstrände. Hier gibt es heute auch die dichtest besiedelten Regionen der Erde, Megastädte wie Bombay, Lagos und Jakarta – und uraltes Kulturland wie die Reisterrassen von Ifugao auf den Philippinen mit dem Status des Weltkulturerbes. Wie die Tropen erschlossen und räumlich dargestellt wurden, zeigt demnächst eine Sonderausstellung des Ethnologischen Museums in Dahlem. In der Schau „Vermessen: Kartographie der Tropen“ geht es um die kosmologischen Vorstellungen und Raumkonzepte außereuropäischer Kulturen und um die Geschichte der europäischen Kartografie in Übersee.

Mit einem Beitrag zum Forscher Franz Wilhelm Junghuhn beteiligt sich das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität an der Ausstellung. Junghuhn (1809-1864) erforschte die tropische Insel Java – nach dem Vorbild Alexander von Humboldts. Junghuhns Publikationen können als mustergültig für den umfassenden Blickwinkel der Geografie nach Humboldt betrachtet werden. Er setzte Vegetation, Klima, Gebirgsrelief und Geologie mit menschlicher Kultur und Landwirtschaft in Beziehung. Seine Landvermessungsdaten und malerischen Landschaftsbilder brachten dem europäischen Leser die fremdartige Vulkanwelt Südostasiens nahe, die seit dem verheerenden Ausbruch des Krakatau 1883 und dem Tsunami von 2004 als Region der Naturkatastrophen im öffentlichen Bewusstsein ist.

Franz Junghuhn hatte in Halle und Berlin Medizin studiert. Die 1835 bestandene Sanitätsprüfung für eine Anstellung bei der Holländisch-Ostindischen Armee ermöglichte ihm ein Leben auf Java im heutigen Indonesien. Dort erforschte er den Vulkanismus, das Klima und die Vegetationszonen der damaligen Kolonie. Sie gehörte seit dem 16. Jahrhundert zu den wichtigsten Regionen des zunächst portugiesischen, dann niederländischen Gewürzhandels.

Junghuhn empfand das Tropenland als seine Heimat. Messend und beobachtend legte er Fußmärsche durch die Landschaften Javas zurück und notierte und zeichnete dabei nicht allein Augenblickszustände bei der Durchreise, sondern nahm das Land in seinem Wandel über Jahre wahr. Klimauntersuchungen und Beurteilung der Böden machten den Anbau von tropischen Gewürzpflanzen effektiver. Ebenso war es im Interesse der Kolonialverwaltung, über genaueste Landkarten zu verfügen und alle Ethnien, die als Untertanen im neuen Frondienst- und Landabgabesystem geeignet waren, zu kennen. Die Boden- und andere verkäuflichen Naturschätze aufzuspüren und auszubeuten, gehörten zu den vordringlichen Aufgaben des Naturkundlers in Übersee.

Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte Junghuhn ab 1845 in einer Reisebeschreibung und später in einer dreibändigen Landesmonographie. Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität ließ 2004 ihren komplett erhaltenen, heute sehr seltenen topographischen und naturwissenschaftlichen Atlas zur Reise durch Java von 1845 restaurieren. Er wird neben einem Original der großformatigen und detailreichen topographischen Inselkarte Junghuhns Kernstück der Präsentation dieser außergewöhnlichen Forscherpersönlichkeit im Rahmen der Ausstellung sein.

Die Ausstellung ist vom 19. Mai bis 27. August im Ethnologischen Museum, Arnimallee 27, in Dahlem zu sehen.

Mehr Informationen im Internet:

www.humboldt-forum.de/ausstellungen/tropen/

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben