Zeitung Heute : Vermittlerin aus Leidenschaft

Mediatorin Jutta Groth ist fasziniert von der Arbeit mit Menschen

Christine Schreiber

Die wichtigsten beruflichen Ausbildungsstationen von Jutta Groth sprengen den Rahmen eines Standard-Lebenslaufs: Steuerfachgehilfin, Religionspädagogin, psychiatrische Heilpraktikerin, Trainerin für Neurolinguistisches Programmieren (NLP) und schließlich Ausbilderung für Mediation nach den Richtlinien des Bundesverbandes Mediation. Seit zwölf Jahren hat die Berlinerin das Abschlusszertifikat in der Tasche und seitdem steht ihr Mediations-Know-how bei fast jeder ihrer Tätigkeiten im Vordergrund. Vor fünf Jahren hat sie ein eigenes Institut gegründet, das Neustart-Institut für Mediation und kreative Lösungen.

Jutta Groths Credo lautet: „Menschen sind nicht das Problem, sie haben Probleme und die kann man lösen.“ Aus diesem Grund kennt das Engagement der Trainerin so gut wie keine Grenzen. Für die Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel hat sie ein Anti-Gewalt-Traing konzipiert, beim Coaching von Führungskräften und in der Kirchenarbeit setzt sie ihr Wissen über Konfliktlösungsstrategien ein und an der Tempelhofer Annedore Leber-Grundschule ist sie seit acht Jahren als Konfliktlotsenausbilderin engagiert. Besonders freut sich Groth darüber, „dass jetzt auch Wirtschaft und Politik die Chancen der Mediation entdecken“. Ihr zentrales Argument überzeugt zunehmend auch Personalchefs: „Überall wo Menschen arbeiten, entstehen Probleme und daraus entwickeln sich Konflikte, die häufig die Beziehungsebene betreffen. Mit Organisationsentwicklung kommt man hier nicht weiter. Sie überspringt die wichtige Frage, was hinter dem Konflikt steht.“

Dass unterschiedliche Informationen und Ressourcen, Bedürfnisse und Zielsetzungen, Werte und Zwänge aus einer marginalen Meinungsverschiedenheit einen kaum mehr heilbaren Streit machen können, erlebt Groth in ihrer Beratungsarbeit täglich: „Das ist wie bei einem Eisberg. Man hört die Worte, sieht jedochnur die Spitze: die Mimik, die Gestik, die Stimme und die Körpersprache. Die eigentlichen Motive aber bleiben verborgen, wenn man sie nicht gezielt aufspürt und zur Sprache bringt.“ Das gelingt fast immer, aber: „Manche Menschen sind einfach beratungsresistent“, sagt Groth, ohne dabei ihre Begeisterung für das Mediations-Verfahren in Frage zu stellen. Dafür sei sie im eigenen Institut ( www.neustart-mediation.de ) und auch als Honorarkraft zu erfolgreich, ihr wichtigstes Anliegen zu vermitteln: „Konflikte über Macht zu regeln, ist nur in Notfällen sinnvoll. Wer sie an den Interessen der Beteiligten entlang zu lösen versucht, hat am Ende zwei Sieger.“

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