Zeitung Heute : Veronas Kinder - Jeder ist ein Star

Harald Martenstein

Jeder kann ein Star sein. Sobald du im Fernsehen auftrittst, wirst du automatisch einer. Sogar wenn du ein normaler, durchschnittlicher Typ bist, ein Mensch ohne herausragende Talente. So lautet die Botschaft der Sendung "Big Brother". Vor "Big Brother" hat diese Idee niemand so perfekt verkörpert wie Verona Feldbusch. Sie hat in ihrer Anfangsphase noch getan, als sei sie eine Moderatorin, eine Sängerin oder Gott weiß was alles. In Wirklichkeit ist sie einfach nur ein nettes, hübsches Mädchen, ein kluges obendrein, weil sie begriffen hat, dass eine sympathische und gleichzeitig erotische Ausstrahlung eine Ware ist, aus der sich viel machen lässt. "Big Brother" hat das Verona-Feldbusch-Prinzip auf die Spitze getrieben.

Deswegen war es eine weise Idee, von allen Stars dieser Welt ausgerechnet Feldbusch in den "Big-Brother"-Container zu schicken. Das gab der Angelegenheit eine geradezu kulturhistorische Dimension. Das Originalmodell trifft seine aktuelle Weiterentwicklung - als ob sagen wir mal Elvis Presley und Michael Jackson gemeinsam ein Konzert geben, oder als ob der Golf gegen den Käfer ein Freundschaftsrennen fährt.

Die Bewohner des Containers haben verstanden. Sie waren überraschend unüberrascht. Sie und ihr Gast sprechen die gleiche Sprache, die Stimmung war wie bei einem Treffen von Bikern oder Schalke-04-Fans, wo man sich über die meisten Dinge des Lebens eh einig ist. Es ging um das Leben und die Medien, zwei Themen, die bei Jürgen, Verona und Sabrina auf das Gleiche hinauslaufen. Dann war die Sendung zu Ende, und überall in Deutschland knipsten die jüngeren Menschen das Internet an, auf Sinnsuche.

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