Zeitung Heute : Verrat am Eisbein

Der Tagesspiegel

VON TAG ZU TAG

Von Ekkehard Schwerk

In den kleinen Dingen, die einen gewohnten Alltag zuverlässig zusammenbinden, zeigen noch so kleine Veränderungen eine wenn nicht gefährliche, so doch bedenkliche Entwicklung an . Berlin ist befugt, hier besonders scharf aufzupassen. Jedenfalls, seitdem sich die übrige Bundesrepublik mit ihren Behörden und Abordnungen hier verknotet.

Gestern wurde hinterm alten Zeughaus, dem Stammhaus fürs Deutsche Historische Museum, Richtfest für den kühnen, rückwärtigen Anbau des Architekten I. M. Pei gefeiert Dabei wurde der gute Brauch eines Richtfest-Schmauses gebrochen. Und das am Deutschen Historischen Museum! Meine Kollegen, die dort waren (siehe Bericht Seite 26), sagten beiläufig, es habe Schnitzel gegeben, wahlweise Erbsensuppe und Buletten. Was fällt dem Bundes-Bauherren ein, den Berliner Brauch zu brechen und nicht einmal wahlweise Eisbein aufzutragen?!

Von einem hier längst beheimateten und bewanderten Kollegen aus Österreich wurde bekannt, dass er sein Berliner Gegenüber davon abgehalten habe, nach der Erbsensuppe zu langen und besser das Wiener Schnitzel zu ergreifen. Es müsse ja nicht auch noch bei Tische alles nach der Berliner Pfeife tanzen soll er gesprochen und sich gleich zwei Wiener Schnitzel genommen haben. Man lade ihn zu einem Berliner Spar-Richtfest ein und setze ihm zur Gemütsschulung Wiener Würstchen vor, die in Wien aber als Wiener gar nicht vorkommen.

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