Zeitung Heute : Verreisen – und doch im Hörsaal sein Elektronische Tafeln ermöglichen Fernstudium

Colin Jargot

In Rom am Trevi-Brunnen sitzen, den Laptop auf den Knien und einer Lehrveranstaltung an der Humboldt-Universität folgen? Diese Vorstellung ist verlockend – und ab dem Sommersemester 2005 technisch auch möglich. Dann werden im Institut für Bibliothekswissenschaft im Bereich Fernstudium zwei elektronische Tafeln in der Lehre eingesetzt. Mit der neuen Technik können Studenten komplette Seminare im Internet abrufen.

Auf den ersten Blick ist ein Seminar mit der neuen Technik gar nicht so einfach von einem herkömmlichen zu unterscheiden. Denn wie bisher steht der Dozent vorne an einer Tafel und schreibt diese mit Informationen voll. Der große Unterschied: Die Tafel und die Kreide sind elektronisch so ausgestattet, dass sie einen Rechner steuern. Der speichert das Tafelbild kontinuierlich ab. Die interaktive Tafelfläche ermöglicht Dozenten und Studenten, nicht nur schriftliche Bemerkungen elektronisch sichern zu lassen. Sie können auf der Tafel auch Dateien aufrufen, Datenbanken benutzen und mit beliebigen Anwendungen gemeinsam interagieren, um Übungen in die Konsultation einzufügen

Zielgruppe der neu eingeführten Technik sind die 120 Studierenden des postgradualen Fernstudiums Bibliothekswissenschaft mit dem Abschluss „Master of Arts (Library and Information Science)“. Sie besuchen neben dem Fernstudium zwei Mal im Monat so genannte Konsultationen am Institut, die den Lernprozess strukturieren sollen.

Neben allen Tafelinformationen wird gleichzeitig auch der Ton aufgenommen – den Vortrag des Dozenten und die Kommentare der Kommilitonen. Somit können die Studierenden zeitlich unabhängig die gesamte Konsultationsphase weltweit nochmals nachvollziehen und diese neuen Inhalte für Prüfungsvorbereitungen nutzen.

Das Abspielen der Seminare auf dem heimischen PC oder dem Laptop ist einfach: Dafür können Video-Player verwendet werden, die auf den meisten Rechnern bereits vorhanden sind. Eine Live-Übertragung ist technisch ebenfalls möglich, falls Studenten im Ausland einmal nicht zu den Präsenzterminen kommen können. „Damit wird flexibles Lernen ermöglicht, neue Lernstrategien werden unterstützt und höhere Lernerfolge sind zu erwarten“, sagt Wolfgang Jänsch, Privatdozent und Leiter des Bereichs Fernstudium am Institut für Bibliothekswissenschaft.

Theoretisch könnten Studenten das Tafelbild auch von verschiedenen Standorten aus als interaktive Oberfläche bearbeiten. Diese Option wird bislang hauptsächlich von international agierenden Unternehmen bei Konferenzen eingesetzt.

In der Anfangsphase stehen den Dozenten ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und zwei Tutoren zur Verfügung, um die zukünftigen Lehrmaterialien zu entwickeln. Sie sollen damit auch neue Lehrformen erproben. Es geht nicht nur darum, das mit Sondermitteln finanzierte System kennen zu lernen. Auch die Art und Weise der Präsentation soll neu überdacht werden. Nach einer Einarbeitungsphase sollen die Dozenten neue Lehrmaterialien systematisch und mit geringem Aufwand selbst produzieren.

Mehr Informationen im Internet: www.fbiw.hu-berlin.de

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