Zeitung Heute : Verrenkungen für den Meeresblick begründen Anspruch auf Schadensersatz

W.B. faf

Ruhige Lage. Auch wenn ein Reisebüro einem Kunden die Unterkunft "in ruhiger Lage" zugesichert hatte, haftet der Reiseveranstalter nicht dafür, wenn er in seinem Katalog diese Zusicherung nicht gemacht hat und das Hotel tatsächlich an einer Durchgangsstraße liegt. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 290/97)



Flieger. Wird ein Kind an einem Strand (hier: Westerland auf Sylt) von einem ferngesteuerten Flugzeug (hier: mit mehr als zwei Metern Spannweite) schwer verletzt, so muss die Gemeinde für den Schaden einstehen, weil sie als Gegenleistung für die gezahlte Kurtaxe die Sicherheit auch am Strand zu garantieren hat. (Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Aktenzeichen: 11 U 92/97)



Baustelle. Wer im Urlaub in einem "Villenpark" erhebliche Mängel hinnehmen muss, der kann neben einem Großteil des Reisepreises auch Schadenersatz für vertanen Urlaub verlangen. Hier war das Schlafzimmer nur über eine Außentreppe zu erreichen, in der Küche fehlte der Wasseranschluss, wesentliche Teile der Anlage waren eine Baustelle mit dem zugehörigen Baulärm - die Familie hatte 9200 Mark gezahlt und bekam 10 100 Mark zugesprochen. (Oberlandesgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 18 U 33/99)



Meerblick. Wer ein Zimmer mit Meerblick bucht und auf dem Balkon seinen "Körper verdrehen muss", um das Meer zu sehen, hat Anspruch auf Schadenersatz, urteilte das Amtsgericht Köln (Aktenzeichen: 131 C 104/99); für den üblicherweise höheren Zimmerpreis müsse das Meer als "wesentliches Qualitätsmerkmal" schon aus dem Fenster zu sehen sein.



Verspätung. Fahrgäste der Deutschen Bahn im Fernverkehr sind bei Verspätungen nicht völlig rechtlos. Sie können Schadenersatz verlangen, wenn die Bahn die Verspätung verursachte. Darauf wies die Fahrgastverband Pro Bahn zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der Arbeitsverbände (AgV) in Bonn hin. Diese Rechtslage gelte bereits seit Anfang 1995. Allerdings sei sie kaum bekannt. In den deutschen Gesetzen stehe, dass Schadenersatzansprüche der Verbraucher gegen die Eisenbahnunternehmen ausgeschlossen seien. Nach der Verbraucherschutz-Richtlinie der Europäischen Union (EU) hätte der Gesetzgeber die deutschen Gesetze anpassen müssen. Versäume der nationale Gesetzgeber diese Anpassung, sei jeder Richter auf Grund der EU-Verträge verpflichtet, statt der nationalen Gesetze das europäische Recht anzuwenden. Information im Internet bei www.pro-bahn.de



Zerrissen. Legt ein Pauschalurlauber seine Lederjacke - nach Aufforderung durch den Reiseleiter - am Flughafen auf das Band für die Sicherheitskontrolle, ohne darauf hinzuweisen, dass dafür am besten ein entsprechender Behälter verwendet wird, und zerreißt die Jacke, so hat der Reiseveranstalter für den Schaden (hier: in Höhe von 500 Mark) aufzukommen. (Amtsgericht Ludwigsburg, Aktenzeichen: 5 C 2583/97)



Kellner. Verletzt in einem Urlaubshotel ein Ober beim Servieren einen Hotelgast, so hat er, beziehungsweise sein Arbeitgeber, dafür einzustehen, nicht der Reiseveranstalter. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 38 C 19166/97)



Warten. Wer nach Ankunft an seinem Ferienort auf sein Gepäck warten muss (hier: acht Tage), der hat Anspruch auf Erstattung eines Teils - im vorliegenden Fall waren es 50 Prozent - des gezahlten Reisepreises. (Amtsgericht Nürnberg, Aktenzeichen: 35 C 73007/96)

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