Zeitung Heute : Verschenkte Schnulze auf RTL

Uta-Maria Heim

Millennium Love. RTL. Es war Liebe auf den ersten Blick, damals, vor zehn Jahren, aber dann trieb sie das Schicksal wieder auseinander, und unsere beiden jugendlichen Protagonisten haben sich zum Millennium an den Hamburger Landungsbrücken verabredet. Dort treffen sie sich - älter geworden, reifer, desillusionierter. Er ist kein Seemann von Beruf, sondern Rettungswagenfahrer, sie hat ihre frauenbewegten Journalistinnenträume dem Quotendruck angepasst. Das führt kurzfristig zu Irritationen, aber als sie dann zusammen das Leben einer werdenden Mutter retten, wird nach zwei langen Umwegen endlich alles gut.

Georg Heinzen (Drehbuch) erzählt eine auf Wiedererkennbarkeit abzielende Liebesgeschichte, die nirgendwo in die Tiefe geht. Peter Timm (Regie) packt die flache Handlung unter einen Zuckerguss von süßen, pubertätsgerechten Filmmusiken. Es hätte zumindest knistern und knallen müssen. Tut es nicht. Das Ganze wirkt so temposchwach wie der Democlip einer Amateurband. Die Schnulze wird verschenkt und die handlungsarme Story mit ihren ausufernden Rückblenden und der langatmigen Dramaturgie eignet sich sehr viel mehr fürs experimentelle Kino als für eine "Weltpremiere" auf RTL.

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