Zeitung Heute : Verschleppt, missbraucht, erdrosselt

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Von Claus-Dieter Steyer

Eberswalde. Ein kurzer Schrei, eine Autotür schlug zu und mit Vollgas brauste ein Kleinwagen davon. So schilderte ein Einwohner des Eberswalder Ortsteils Finow seine Beobachtung am Nachmittag des 22. Februar 2001 gegenüber der Polizei. Er konnte damals nicht das Unheil ahnen, was sich wenig später in dem weißen VW Polo ereignen würde. Die 12-jährige Schülerin Ulrike Brandt sollte die nächsten Stunden nicht ü berleben. Ein Mann hatte das Mädchen mit seinem Auto angefahren, es in den Wagen gezerrt, missbraucht und erdrosselt. Am Rande des 30 Kilometer entfernten Flugplatzes Werneuchen warf er das tote Kind auf einem Feldweg aus dem Auto und versteckte es unter Zweigen. Den Polo ließ er bei Bernau in Flammen aufgehen und fuhr anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln in seine Fürstenwalder Wohnung.

Noch am Tag des Verschwindens von Ulrike begann die bislang größ te Suchaktion der Polizei in Brandenburg. Das Fahrrad der 12-Jährigen war damals lange der einzige Anhaltspunkt. Die Eltern fanden es im Schnee, nachdem sie vergeblich auf die Rückkehr ihrer „Rike“ vom Handballtraining gewartet hatten. Erst viel später stellte sich heraus, dass die lebenslustige Klassensprecherin zu diesem Zeitpunkt schon tot war.

Rund 5000 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet durchkämmten mit Unterstützung der von Tornado aufgenommenen Wärmebildaufnahmen die Gegend zwischen Eberswalde und Bernau. Mehr als 7000 Bürgerhinweise gingen bei der Sonderkommission der Polizei ein. Zwei Wochen später fand ein Spaziergänger die Leiche von Ulrike beim Ausfü hren seines Hundes. Am 28. März wurde der 25-jährige Sozialhilfeempfänger Stefan Jahn unter Mordverdacht verhaftet. Fingerabdrücke auf einer neben der Toten gefundenen Bierflasche und ein Gen-Test überführten ihn.

Im November 2001 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Frankfurter Landgericht stellte eine besondere Schwere der Schuld fest, so dass er nicht mit einer Freilassung nach 15 Jahren rechnen kann. Seine Verteidiger gingen deshalb in Revision.

Zum heutigen Jahrestag des Mordes an dem Mädchen werden Verwandte und Freunde an ihrem Grab Blumen niederlegen.

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