Zeitung Heute : Verschlüsselte Botschaften

Rhode & Schwarz SIT versorgt Behörden, Streitkräfte und Firmen mit Technik.

Den Anfängen von Rhode & Schwarz SIT wohnt ein Hauch von Agentenromantik inne. Als die Bundesbehörden nach dem Fall der Mauer peinlich berührt feststellen mussten, dass die Stasi ihre Verschlüsselung geknackt hatte, war klar: Die Kryptologen aus der DDR sind so gut, die müssen weiter in Deutschland beschäftigt werden. Also wurden die Spezialisten eingestellt und landeten bei der Rohde & Schwarz-Tochterfirma SIT. Sicherheit ist für das Unternehmen mit Sitz in Adlershof bis heute das Geschäftsmodell. Alle 85 Mitarbeiter, die im modernen Bürobau beschäftigt sind, haben einen behördlichen Sicherheitscheck durchlaufen.

An ihren Standorten in Berlin und Stuttgart hat die SIT 2010/2011 einen Umsatz von 25 Millionen Euro erwirtschaftet, ein kleiner Bereich im Unternehmen mit zuletzt 1,8 Milliarden Umsatz, dafür mit erlesener Kundschaft. Die Programmierer und Elektroingenieure arbeiten für Streitkräfte, Betreiber kritischer Infrastruktur, Unternehmen und Behörden. An Streitkräfte richten sich Schlüsselgeräte, die beispielsweise in Schiffe oder Flugzeuge eingebaut werden. Mit diesen können Nachrichten ver- und entschlüsselt werden. Abhörsichere Telefone runden das Angebot ab. Andere Geräte sichern den Datenverkehr und die Kommunikation bei kritischer Infrastruktur wie Stromnetzen oder Weichenstellanlagen. „Da müssen Sie verhindern können, dass jemand die Weichen von außen umstellt“, sagt Peter Rost, Leiter strategisches Marketing und Produktmanagement. Auch sichere Kommunikation via Satellit für „raue Umgebungen“ hat die SIT im Portfolio, wenn etwa ein Außentrupp in der Wüste Öl findet und das melden will, ohne dass die Konkurrenz mithört.

Seit Herbst 2012 vertreibt das Unternehmen besondere Firewalls, die sich auch für kleinere Betriebe eignen. Mit ihnen kann genau festgelegt werden, welcher Mitarbeiter welche Daten aus dem eigenen System hinausgeschickt und welche ins Haus eingespielt werden dürfen. Die Freigaben können für eine lange Liste von Programmen eingestellt werden. Damit soll der Wirtschaftsspionage vorgebeugt werden.

Für Behörden stellt die SIT unter anderem ein Gerät her, das aussieht wie ein großes Modem. „Das ist das rote Telefon“, sagt Peter Rost. Der Kasten, der nur in Räumen mit besonderen Zutrittsvorschriften aufgestellt werden darf, ist wie andere Produkte aus dem Hause SIT vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, der EU und der Nato zugelassen.

Bei Agentenromantik ist wieder angelangt, wer sich die Endgeräte zur sicher verschlüsselten Telefonie über Mobiltelefone und Laptops ansieht: ein kleiner Stick mit der Aufschrift „TopSec“, in den ein Headset eingestöpselt werden kann. „Es ist mit jedem Smartphone nutzbar“, erklärt Peter Rost. Auf dem Telefon wird eine App installiert, über die wählt man den Gesprächspartner an, der ebenfalls einen solchen Stick hat. Die sichere Verbindung baut sich zwischen den beiden Endgeräten auf. Und wie macht das Bundeskanzlerin Angela Merkel? Die hat zwei Telefone, erzählt Rost, eines zur sicheren Übertragung von SMS, und eines zum sicher Telefonieren. Constance Frey

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