Zeitung Heute : Versicherungsklauseln, Pauschlalreisen, geleerte Safes, unzureichende Klimaanlagen und anderes

Klausel. Bauen Reisekrankenversicherungen in ihren Bedingungen eine "Ausländerklausel" ein, die Ausländern aus Nicht-EU-Staaten die Kostenübernahme für eine Behandlung in ihrem Heimatland verweigert, so ist die Klausel unwirksam, da ein solcher Ausschluss "willkürlich" ist. (Urteil des Oberlandesgerichts München, Aktenzeichen: 29 U 2875/99) W. B.

Ersatz. Verzögert sich eine Reise (hier: in die Türkei) um mehr als einen Tag und entschließt sich ein Urlauber, statt dessen in einem anderen Land Urlaub zu machen (hier: in Kuba), so kann er vom Reiseveranstalter zwar den vollen Reisepreis und Schadenersatz wegen vertanen Urlaubs (hier: für einen Tag) verlangen, nicht aber die Differenz zu der teureren Ersatzreise; dies wäre nur bei einer Reise ins selbe Land möglich gewesen. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 580/97) W. B.

Klimaanlage. Kühlt eine Klimaanlage in einem Hotel, wie im fraglichen Fall in Mexiko, die Raumtemperatur lediglich auf 30 Grad ab, so kann der Urlauber nachträglich eine Reisepreisminderung (hier von zehn Prozent) verlangen. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 136 C 55/99) W. B.

Safe. Werden aus einem Hotelsafe Gegenstände entwendet, kann ein Pauschalurlauber sich nicht am Reiseveranstalter schadlos halten. Zwar muss ein Reiseunternehmen seine Vertragshotels sorgfältig auswählen und überwachen. Es ist aber nicht verpflichtet, so das Landgericht München in einem jetzt veröffentlichten Urteil (Aktenzeichen: 17 U 1581/99), den Hotelsafe auf "verborgene Sicherheitsmängel" zu kontrollieren. Für den Panzerschrank und seinen Inhalt sei der Hotelier vor Ort allein zuständig. tdt

Verlassen. Pauschalurlauber verlassen sich besser nicht auf die Angaben ihres Reisebüros - und lesen stattdessen aufmerksam den Veranstalterkatalog. Dies lehrt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2/24 290/97). Dort wurde der Fall eines unzufriedenen Winterurlaubers verhandelt, dem sein Reisebüro eine Unterkunft "in ruhiger Lage" zugesichert hatte. Die gebuchte Pension befand sich jedoch an einer lärmträchtigen Durchgangsstraße. Da sich die Aussagen im Reisebüro im "offenen Widerspruch" zu den Katalogangaben - dort war von einer "ruhigen Lage" keine Rede - befunden hatten, ging der Reisende vor dem Kadi leer aus. tdt

Kofferverlust. Die Hälfte des Reisepreises erhielt eine Urlauberin zurück, die während einer achttägigen Reise durch China auf ihr Gepäck verzichten mußte: Ihr Koffer war beim Umsteigen in Bukarest zurück geblieben. Dafür, so die Richter am Amtsgericht Nürnberg (Aktenzeichen: 45 C 7300/96), trage auch der Reiseveranstalter Verantwortung. Er sei verpflichtet, die Koffer seiner Kunden bis zum Zielort zu transportieren. Deshalb müsse er auch für Fehler der Fluggesellschaft gerade stehen. tdt

Ohne Segel. Kann ein Urlauber nachweisen, dass die Besatzung des Segelschiffs, mit dem er auf hoher See war, die Segel nicht setzte, obwohl die Windverhältnisse günstig waren, und wurde die Fahrt ausschließlich "per Motor" durchgeführt, so kann er vom Veranstalter nachträglich 70 Prozent des Reisepreises zurückverlangen. Landgericht Hannover, Aktenzeichen: 12 S 55/98. W. B.

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