Zeitung Heute : Versteckter Aufschwung

Edelmetalle feiern nach 20 Verlustjahren erfolgreich ihr Comeback. Bei Gold glauben Optimisten sogar an eine neue Ära

Ingo Narat

Es ist ein versteckter Aufschwung: der Anstieg der Edelmetallpreise während der vergangenen drei Jahre. Er drang bisher kaum ins Bewusstsein der Anleger. Dennoch glauben die Optimisten an den Beginn einer neuen Ära für das gelbe Metall. Sie führen gute Gründe ins Feld: Ängste vor der internationalen Überschuldung und vor neuer Inflation bringen Gold als sicheren Hafen ins Spiel, von Aktien enttäuschte Anleger suchen verstärkt alternative Vermögensformen zur Risikostreuung – und werden auch beim Metall fündig, dass nach zwei Jahrzehnten Preisverfall wieder reizvoll erscheint. Investoren eröffnen sich demnach Gewinnchancen. Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Anlageinstrumenten, die ganz unterschiedliche Chancen bieten und auch unterschiedliche Risiken bergen.

Gold ist das traditionelle Edelmetallinvestment. Die breite Palette an denkbaren Engagements reicht hier vom Kauf des physischen Metalls bis zur höchsten Stufe der Spekulation, dem so genannten Termingeschäft. Dazwischen liegen indirekte Erwerbsvarianten wie Aktien von Minengesellschaften, in diesen Titeln engagierte Fonds und Goldzertifikate.

Beträchtliche Aufschläge bei Münzen

Bei der Direktanlage in Gold stoßen die Anleger schnell auf Probleme. Sie müssen die Barren oder Münzen lagern – und das möglichst sicher. Darüber hinaus sind Kauf und Verkauf nicht ganz leicht, weil sich viele Banken aus diesem Geschäft zurückgezogen haben. Außerdem muss der Käufer beim Erwerb kleiner Barren oder auch bei Münzen teilweise beträchtliche Aufschläge auf den reinen Metallwert zahlen. Dennoch registrieren Edelmetallhändler in der jüngsten Vergangenheit stärkere Nachfrage beispielsweise nach Ein-Kilo-Goldbarren und nach der beliebtesten – gleichzeitig preiswertesten – Goldmünze, dem südafrikanischen Krügerrand.

Einfacher ist das Ordern von Minenaktien an der Börse. Das ist bequem, weil es sich um ein typisches Aktiengeschäft handelt. Allerdings sollte der Anleger rege gehandelte Werte aus den klassischen Goldförderregionen Südafrika, Australien und Nordamerika wählen, die oft auch an deutschen Börsen notiert sind. Im Vergleich zur Entwicklung des reinen Metalls kauft er hier allerdings einen Firmenanteil, der sich im Börsenkurs nur ungefähr an der Metallpreisentwicklung orientiert. Häufig steigen oder fallen die Kurse überproportional. Experten haben die Faustregel: Verglichen mit dem Preis steigt oder fällt der Aktienkurs etwa drei Mal so stark. Zur Risikostreuung können die Anleger auf breit anlegende Aktienfonds für Minenwerte ausweichen. Hier haben sich in der Vergangenheit einige Investmentgesellschaften mit guten Anlageergebnissen hervorgetan, darunter Merrill Lynch Investment Managers und die deutsche Vermögensverwaltungsfirma PEH.

Mit Blick auf die Hürden beziehungsweise Besonderheiten beim Direkterwerb und dem Kauf von Minenaktien empfehlen viele Experten das Ausweichen auf spezielle Wertpapiere. Dazu gehören beispielsweise Zertifikate. Diese Wertpapiere mit überwiegend festgelegter Laufzeit von meist mehreren Jahren werden von Banken ausgegeben. Der Käufer hat das Recht auf Rückzahlung eines bestimmten Geldbetrages am Ende der Laufzeit. Die Kursentwicklung des Zertifikates folgt beispielsweise dem zehntel Teil des Gold-Unzenpreises (1 Unze gleich 31 Gramm).

Der Käufer kann diese Zertifikate an Börsen erwerben oder er lässt sie sich über seine Hausbank direkt vom ausgebenden Institut besorgen. Diese Zertifikate gibt es noch in verschiedensten Varianten, etwa mit eingebauter Kapitalgarantie oder als Anleihe. Einige Institute sind besonders rege bei der Ausgabe solcher Wertpapiere. Zu dieser Gruppe zählen Häuser wie Trinkaus & Burkhardt, Dresdner Bank, Commerzbank und ABN Amro. Da die Produkte im Einzelnen recht kompliziert sein können, empfiehlt sich für Interessenten eine genaue Beschäftigung mit diesen Anlagen.

Bei Zertifikaten ist der Totalverlust des eingesetzten Geldes praktisch ausgeschlossen. Das wird anders, wenn der Anleger auf Terminmarktgeschäfte umschwenkt – im einfachsten Fall so genannte Optionsscheine. Sie werden ebenfalls von Banken ausgegeben und sind grundsätzlich mit einer bestimmten Fälligkeit ausgestattet. Der Kursverlauf folgt aber nicht 1 : 1 dem Preisverlauf des Goldes wie im Zertifikatsfall, sondern steigt und fällt überproportional. Dieser „Hebel“ entsteht dadurch, dass ein so genannter Basispreis von beispielsweise 400 Dollar je Unze festgesetzt wird, zu dem etwa eine Zehntel Unze vom Ausgabeinstitut bezogen (Call) oder an ihn geliefert (Put) werden darf. Bewegungen des Metallpreises schlagen sich daher in überproportionalen Bewegungen des Scheinepreises nieder. Im Gegensatz zum Zertifikat erwirbt der Anleger hier nur ein Recht, dass im besten Fall sehr stark an Wert gewinnt, im schlechtesten Fall aber völlig wertlos wird. Als Ausgabeinstitute sind unter anderem Deutsche Bank und Commerzbank aktiv.

Große Chancen – große Risiken

Die oberste Stufe der Spekulation kann der Anleger erreichen, wenn er vom Erwerb des bedingten Rechtes (Optionsscheine) auf die Verpflichtung schwenkt (Terminkontrakte). Beim Kauf eines Gold-Terminkontraktes an einer Terminbörse wie der weltweit zweitgrößten in Chicago verpflichtet er sich beispielsweise zum Erwerb von 100 Unzen Gold im Dezember. Dieser Vertrag (Kontrakt) ist standardisiert, er wird während der gesamten Börsenzeit gehandelt, und sein „Kurs“ orientiert sich am aktuellen Metallpreis.

Die Hebelwirkung entsteht dadurch, dass der Investor nur einen kleinen Teil des gesamten Kontraktwertes als Sicherheit beim Börsenhändler hinterlegen muss, der für ihn die Order ausführt.

Fällt der Goldpreis entgegen der Erwartung des Anlegers, schmilzt das Sicherheitspolster – ein Nachschießen frischer Geldmittel wird fällig. Den großen Chancen stehen also große Risiken gegenüber: Die Verluste können höher ausfallen als der ursprüngliche Geldeinsatz.

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