Zeitung Heute : Verstehen wir Einstein

Thomas de Padova

Von Albert Einstein gibt es viele Bonmots. Sie sind so griffig wie die Anekdoten über ihn, man kann sie endlos wiedererzählen. Sie erleichtern uns die Begegnung mit dem Physiker, der vor 100 Jahren, in seinem „Wunderjahr“, als Patentbeamter die berühmteste Formel der Wissenschaft E=mc2 veröffentlichte, der feststellte, dass Raum und Zeit keine festen Größen sind und dass Licht aus einzelnen Teilchen besteht.

Heute feiern wir seine revolutionären Ideen und blicken in die Zukunft. Die Bundesregierung hat das Jahr 2005 zum „Einsteinjahr“ erklärt, das jetzt mit Ausstellungen, Konferenzen und Aktionen für Schüler richtig beginnt. Sie unterstützt die Veranstaltungen mit 13 Millionen Euro. Gemeinsam mit den großen Wissenschaftsorganisationen möchte sie an das „Wunderjahr“, an seinen Todestag vor 50 Jahren und an den Weltbürger Einstein erinnern – und zugleich die Begeisterung für die Forschung fördern: Wer, wenn nicht Einstein, könnte dazu beitragen, dass hier und heute der Funke überspringt!

„Nur wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher“ – Einstein war ständig auf der Suche. Nach etwas, das ihm immer wieder entglitt. Kaum hatte er die Spezielle Relativitätstheorie formuliert, sah er sich gezwungen, auch Newtons Bild der Schwerkraft neu zu überdenken.

„Hilf mir Grossmann, sonst werd ich verrückt!“, schrieb er 1912 an einen Freund und Mathematiker, während er sich um den Entwurf der Allgemeinen Relativitätstheorie bemühte. Als ihm dies in einer für die moderne Physik beispiellosen Einzelleistung geglückt war, wartete bereits eine noch größere Herausforderung auf ihn. Aber es blieb ihm in den restlichen Lebensjahrzehnten versagt, die Theorien seiner Zeit zu einer Art „Weltformel“ zusammenzuführen.

Die Suche geht weiter. Wie, das erzählt der in New York lebende Bestsellerautor Brian Greene in dieser Einstein-Beilage in einer mitreißenden Geschichte über das Rätsel der Zeit. Mit ihm meinen wir, bereits wesentliche Teile eines neuen Weltbildes vor Augen zu haben.

Auch der populäre Quantenphysiker Anton Zeilinger und der profunde Einstein-Kenner Jürgen Ehlers schildern aus unterschiedlicher Perspektive, wohin uns Einsteins Theorien geführt haben: zu einer Informationstechnologie, die auf der von Einstein als „spukhaft“ bezeichneten Quantennatur des Lichts beruht, womöglich sogar zum völligen Verschwinden von Raum und Zeit aus den Grundkonzepten der Wissenschaft.

Es ist nicht immer leicht, Einsteins Gedanken zu folgen, aber ungemein reizvoll. Lassen Sie sich auf den folgenden Seiten dazu verführen, begleiten Sie uns nach Bern und Princeton. Der Jugendbuchautor David Chotjewitz bringt Ihnen den rebellischen Schüler Einstein näher, der israelische Wissenschaftshistoriker Yehuda Elkana nimmt den Faden auf und fragt, was wir heute von einem engagierten Forscher erwarten.

100 Jahren nach dem „Wunderjahr“ ist Einsteins Denken lebendiger denn je – und nicht nur etwas für Spezialisten. Oder Anekdoten.

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