Zeitung Heute : Verzögerte Reaktion

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1994 gründete ich eine Kinderarztpraxis in Reinickendorf. Die üblichen bürokratischen Hürden wurden genommen: Kassenärztliche Vereinigung, Amtsarzt, Telekom, Bewag, Finanzierung, Landesamt für Arbeitsschutz, Schornsteinfeger - und Bauaufsicht. Dort reichte ich die kompletten Unterlagen 6 Wochen vor der geplanten Praxiseröffnung ein. Mündlich erhielt ich den Bescheid, dass es keinerlei Einwände gebe. Eine Woche später erhielt ich Post: „... dass mit den Bauarbeiten erst nach der Zustellung der bauaufsichtlichen Genehmigung begonnen werden darf“. Diese Genehmigung traf 6 Wochen nach Praxiseröffnung ein.

Schnell wurde die Praxis zu klein. 1998 fand ich in der Nähe eine geeignete Immobilie. Alles ideal: Ausreichende Größe, kindgerechte Ausstattung, Spielplatz auf dem Gelände, Abstellraum für Kinderwagen. Von der Bauaufsicht wurde mir untersagt, von meiner kleinen (nicht behindertengerechten) Praxis dorthin umzuziehen, da diese nicht für Rollstuhlfahrer erreichbar sei. Ich blieb in meinen alten Räumen. 2001 fanden sich nochmals große Räume. Wieder kein behindertengerechter Aufzug, wieder die Ablehnung der Bauaufsicht. Vermittelnd trat der Baustadtrat auf. Am Ende durfte ich die Räume beziehen, jedoch hätte der Zugang über einen verwahrlosten und mit Mülltonnen vollgestellten Hof geschaffen werden müssen - unzumutbar für meine Patienten. Also bin ich weiter in meiner zu kleinen Praxis.

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