Zeitung Heute : Veteran auf Fahrt

Der Tagesspiegel

Lindenberg/Prignitz. Bei der Jungfernfahrt der Prignitzer Schmalspurbahn anno 1897 rannte der Hund eines Försters kläffend neben den Gleisen her und verhalf ihr zum Spitznamen „Pollo“. Anderthalb Jahrzehnte später maß die Strecke 102 Kilometer, verband die Dörfer in der Prignitz und verschaffte ihnen so den Aufschwung. 1969 kam aber das Aus für „Pollo“, zu langsam und nicht konkurrenzfähig war der alte Zug. Doch die Erinnerung blieb. Also wurde nach der Wende 1993 der Kleinbahnverein Lindenberg gegründet. Mit Unterstützung des Arbeitsamtes ging es voran: Viele ABM-Kräfte halfen, den Güterwagen und einen Teil der historischen Strecke anhand von alten Dokumenten und Fotos wieder herzurichten. Das Gleisbett entstand neu, alte Bahnschwellen wurden zusammengetragen, Schienen anderswo mit Genehmigung der Bahn abgebaut und mit einer Spurbreite von 750 Millimetern auf dem historischen Kurs verlegt. Im Dezember vergangen Jahres gab es endlich die ersehnte Betriebserlaubnis: Der „Pollo“ darf wieder auf „große“ Fahrt gehen - zunächst auf vier Kilometern Schienenweg zwischen Mesendorf und Brünkendorf. Mitte 2004 soll die Trasse doppelt so lang sein, bis nach Lindenberg führen und am dortigen Kleinbahnmuseum enden. Und irgendwann sollen weitere 15 Kilometer Trasse folgen und die Fahrt bis nach Pritzwalk ermöglichen. Für die 50 Vereinsmitglieder, die aus allen Teilen Deutschlands stammen und in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Mark an Spenden und Eigenleistungen für den kleinen Zug aufbrachten, wird zunächst der heutige Freitag ein großer Tag: Dann beginnt in Mesendorf der Probebetrieb. Ob „Pollo“ dabei von Hunden begleitet wird und vielleicht zu einem neuen Spitznamen kommt, ist ungewiss. Klar ist aber schon, dass die erste Saison des Fahrbetriebs mit einem Fest vom 9. bis 12. Mai eröffnet wird. dpa

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