Zeitung Heute : Viagra, Levitra und Cialis

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Bis 1998 war die Therapie bei Potenzstörungen, der so genannten erektilen Dysfunktion, wesentlich aufwändiger, als sie es heute ist: Wer Potenzprobleme hatte und sich medizinisch helfen lassen wollte, hatte die Wahl zwischen verschiedenen Injektionen oder musste sich gar eine Penisprothese setzen lassen. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie, kurz SKAT, lernten die Patienten, sich selbst Spritzen in den Penis zu setzen, deren Wirkstoffe – unter anderem Yohimbinm, Trazobon oder Phentolamin – das männliche Glied in eine automatische Erektion versetzten. Eine keineswegs sichere und zudem unangenehme Therapie. Ähnlich verhielt es sich mit den diversen Formen der Penisimplantate, mit denen seit 1936 experimentiert wurde. Noch älter ist die seit 1917 gebräuchliche „Vakuumpumpe“, die über das erschlaffte Glied gestülpt wird und dieses mittels Luftunterdruck erhärtet.

Ganz anders wirken dagegen orale Präparate wie Viagra, Levitra und Cialis. Sie greifen auf molekularer Ebene in den komplexen Prozess der Erregung des männlichen Gliedes ein und unterstützen eine Erektion der Schwellkörper. Die Funktionsweise der drei unterschiedlichen Präparate ist sehr ähnlich, ihr Wirkstoff sorgt dafür, dass das vom Körper ständig produzierte „Erektionsmolekül“ cGMP nicht so schnell wieder abgebaut wird. Das cGMP wiederum führt dazu, dass vermehrt Blut in die Schwellkörper des Penis fließt.

Unterschiede zwischen den Präparaten gibt es dennoch. Während es bei Viagra zwischen 45 und 70 Minuten dauert, bis die Wirkung einsetzt, die dann vier Stunden anhält, setzt bei Levitra die Wirkung sehr viel schneller ein, um dann ebenso lange anzuhalten. Cialis benötigt zwar ebenso lange wie Viagra bis es seine Wirkung erzielt, hält dann aber bis zu 48 Stunden an und wird daher umgangssprachlich auch als „Wochenendpille“ tituliert.

Bei aller Euphorie über die neuen Therapiemöglichkeiten sollten dennoch die Nebenwirkungen nicht unerwähnt bleiben: Vereinzelt kann es zu Kopf- und Gliederschmerzen, aber auch zu Verdauungsstörungen, Sodbrennen oder – durch den vereinfachten Blutfluss – zu Errötungen kommen. Da sämtliche Produkte zwar nicht von den Krankenkassen erstattet werden, aber durchgehend verschreibungspflichtig sind, ist der Arztbesuch bei erektiler Dysfunktion also dringend erforderlich. Allein schon deshalb, weil die Potenzpräparate bei gleichzeitiger Einnahme von beispielsweise blutdrucksenkenden Mitteln abgestimmt werden müssen. Aber auch, weil sich hinter erektiler Dysfunktion oft andere Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes oder Herzgefäßerkrankungen, verbergen.

THERAPIE

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