VIDEOKUNST„Being Singular Plural“ : Pfeifen im Walde

Spätestens durch den indischen Superstar Shah Rukh Khan, der aktuell mit „Mein Name ist Khan“ in den Kinos zu sehen ist, meint jeder, eine Vorstellung von indischer Filmästhetik zu haben: quietschbunte Gewänder, beschwingte Tanzszenen, viel Herzschmerz und vor allem: Überlänge.

Dass indische Film- und Videokunst ganz anders sein kann, zeigt eine Ausstellung in der Deutschen Guggenheim Berlin. Da widmet sich Shumona Goel dem verschollenen indischen Filmerbe, als Tribut an die unabhängigen Filmemacher Indiens. Ein Lob des Einzelkämpfers: Der Titel der Ausstellung, „Being Singular Plural“, bezieht sich auf Thesen des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy, der das Verhältnis zwischen Individuum und globalem „wir“ untersucht hat. So zeigt Kabir Mahnty in seiner Videoarbeit „Song for an ancient land, Teil 1“ Aufnahmen von Gemüsehändlern im Westen Mumbais – Individuen in globalen Marktzusammenhängen. Im zweiten Teil sieht man die Ruinen der Babri Masjid, die durch hinduistische Nationalisten zerstört wurden.

Ähnlich politisch ist Amar Kanwar, der in „The Torn First Pages“ burmesische Widerstandsbewegungen ehrt und, fast wie eine Parodie, dazu heimliche Aufnahmen des burmesischen Junta-Generals Than Shwe zeigt, der Rosenblätter auf Ghandis Grab streut. Doch die poetischste Arbeit stammt von der indischen Künstlergruppe Desire Machine Collective: Sie bespielen die Fassade Unter den Linden mit einer Soundinstallation, die Geräusche aus dem heiligen Wald von Mawphlang nach Berlin holt. Auf dass der Auftritt kein Pfeifen im Walde bleibt. Christina Tilmann

Deutsche Guggenheim Berlin, Sa 26.6. bis

So 10.10., tgl. 10-20 Uhr, Mo Eintritt frei

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