VIDEOKUNST„You killed me first“ : Richtig böses Kino

Während die Berlinale zeigt, was der zeitgenössische Film derzeit hergibt, holen die Kunstwerke in der Auguststraße den richtig harten, garantiert Berlinale-untauglichen Filmstoff aus den Archiven. Anfang der achtziger Jahre fand sich an der Lower East Side in New York eine Gruppe Underground-Filmer zusammen, die sich vornahmen, alle Tabus zu brechen. „Blut, Scham, Schmerz und Ekstase“ wollten sie, „rebellisch sein, Spaß haben, ficken, Neues lernen und so viele Regeln wie möglich brechen“. So stand es im Manifest des „Cinema of Transgression“, des Grenzüberschreitungskinos. Heutzutage reichen Künstler diese handgemachten Trash- Filme als Inspiration weiter, fasziniert davon, wie weit man gehen kann und wie wenig Form und Stil man an den Tag legen muss. KW-Kuratorin Susanne Pfeffer präsentiert das „Cinema of Transgression“ jetzt der Öffentlichkeit, da Bürgerwut und Protestlust größere Teile der Gesellschaft ergriffen haben.

Die Macher Karen Finley, Nick Zedd, Lydia Lunch oder David Wojnarowicz waren im New Yorker Underground der Achtziger mit ihrer Wut noch relativ allein. Sie spielten in Punkbands, feierten Partys, machten Zeitschriften, Kunst – und eben Filme, die sie teils mit geklauten Super-8-Kameras drehten und in denen sie zeigten, wie dreckig das Leben an der Lower East Side wirklich war, wie viel Sex, Porno, Aids, Dreck und Drogen es gab, obwohl die Gesellschaft tat, als wäre nichts. Natürlich kamen Filme wie „You killed me first“ (Foto) von Richard Kern nie ins Kino. Trash und Ekel sind eben doch nicht massentauglich – es gibt auch nie ein Happy End. Birgit Rieger

KW Institute for Contemporary Art, Eröffnung Sa 18.2., 17-22 Uhr, So 19.2. bis Mo 9.4., Di-So 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr, 6/4 €, ab 18 Jahre

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