Zeitung Heute : Viel Anschluss unter dieser Verbindung

Die Infrastruktur kann sich wahrlich sehen lassen: Kaum eine Gemeinde dieser Größe ist besser angebunden als Schönefeld

Nicht nur aus der Luft wird der Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ gut zu erreichen sein. Die Anbindung an die Deutsche Bahn AG und den Verkehrsverbund Berlin Brandenburg, sowie an das Autobahnnetz und Bundes-, Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen ist ideal. Foto: Michael Urban/ddp
Nicht nur aus der Luft wird der Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ gut zu erreichen sein. Die Anbindung an die Deutsche...Foto: ddp

Wer über Googles Satellitenbilder auf Schönefeld blickt, wird in die Irre geführt: Google liegt um Jahre zurück. Inzwischen gibt es im Zehn-Kilometer-Umkreis um den neuen Flughafen-Tower kaum noch ein Stück Land, auf dem nicht gebuddelt wird. Dort hat inzwischen eine neue Zeit begonnen. So rasante Entwicklungen kennt man bisher nur aus Südostasien: als „Sprung des Tigers“.

Es gebe weltweit, sinniert Bügermeister Udo Haase, keine Gemeinde dieser Größe, die besser angebunden sei. Schönefeld sei in Sachen Infrastruktur international an der Spitze.

Die Fakten sprechen dafür – ein Internationaler Flughafen mit dem Zeug, Drehkreuz für Osteuropa zu werden. Zwei Autobahnen in Nord-Süd- und Ost-West- Ausrichtung, alle Bundesstraßen vierspurig. Dazu gehört künftig ein moderner Bahnhof mit (wahrscheinlichem) ICE-Halt, Regionalverkehr und S-Bahn- Anbindung, Busse auf Nah- und Fernlinien – und wenn man will, geht’s auch übers Wasser in die weite Welt: Im partnerschaftlichen Verbund mit Wildau und Königs Wusterhausen verfügt Schönefeld über einen großen Binnenhafen und Anschluss an die Wasserwege. Es passt.

Die Infrastruktur muss auch passen: Verkehrswege sind bekanntlich Wirtschaftswege, und Schönefelds Aufschwung soll nicht im Dauerstau untergehen. Die Trumpfkarte für alle Geschäfte in Schönefeld heißt Logistik: Die Post hat im Norden des Flughafens, im vor ein paar Jahren entwickelten Airportpark, ihr Verteilzentrum in Betrieb genommen, Dachser macht dort „Intelligent Logistics“. Nebenan steht das Holiday Inn Hotel, das gegenwärtig auf rund 300 Betten erweitert wird, weiter östlich kam das InterCity-Hotel als Drei-Sterne-Angebot hinzu.

600 Hektar Land stehen für Investoren insgesamt zur Verfügung, zwei Drittel davon liegen auf Schönefelder Boden. Noch ist genug Platz für jeden, der einsteigen möchte, Investoren haben freie Auswahl unter den Gewerbestandorten. Am Nordostrand des neuen Airports entsteht der „BBI Business Park“. Der britische Spezialinvestor Segro baut dort Lagerhallen auf Vorrat – sogenannte Big Boxes von bis zu 50 000 Quadratmetern. Im Vorderbereich des weitläufigen Geländes, direkt angeschlossen an die Bundesstraßen 96 a und die Autobahn A 113, werden Bürogebäude, Hotels und Serviceunternehmen mit ergänzender Gastronomie konzentriert – alles in einer städtebaulichen Gesamtkonzeption im gefälligen Piazzetta-Stil. Wer hier siedelt, bekommt ein „B“-Autokennzeichen, denn die Flächen gehören zur Haupstadt; drumherum fährt man „LDS“.

Direkt an der A113 im westlichen Teil des Schönefelder Kreuzes erschließen die Projektentwickler OFB und Kolb & Partner den 100 000 Quadratmeter großen „Gatelands-Businesspark“ – gesucht werden noch Betreiber für Hotels und gastronomische Betriebe, für Handels- und Dienstleistungsunternehmen.

Kernstück der Besiedlung des Flughafen-Areals wird aber die „BBI Airport City“, direkt vor dem neuen Terminal gelegen. Die Flughafengesellschaft vermarktet dieses Baufeld in eigener Regie, auf dem 148 000 Quadratmeter Geschossfläche möglich sind. Genug Platz für ein großes Kongresshotel der Vier-Sterne- Klasse mit 300 Betten, Büros und Dienstleister. Die Ausschreibung für die Vergabe unter Erbbaurecht hat begonnen; hier werden auch die unmittelbar am Airport benötigten Unternehmen angesiedelt – Mietwagen-Verleiher, Sicherheitsdienste und Parkhäuser.

Traditionell gut war die Anbindung der Berliner Flughäfen immer nach Asien und Amerika – diese Vorteile wird der neue Airport bündeln. Und noch eines draufsetzen: Besonders die Nachbarn Polen, Weißrussland und Ukraine werden vom künftigen Fracht- und Logistik-Drehkreuz Schönefeld profitieren. In der 1000-Kilometer-Distanz Richtung Osten gibt es keinen annähernd so leistungsfähigen Flughafen. Für Passagiere aus Westpolen ist Schönefeld bereits der „Hausflughafen“ geworden.

Etwa 15 500 Fachkräfte werden direkt am Flughafen beschäftigt sein, insgesamt werden im Umfeld des Airports 40 000 Menschen arbeiten. Der Kölner Verkehrsforscher Herbert Braun glaubt, das Beschäftigungspotenzial des Airports werde doppelt so hoch sein wie das der bisherigen Berliner Flughäfen zusammen.

Heute zählt Schönefeld knapp 14 000 Einwohner, in zehn Jahren jedoch werden es 30 000 Menschen sein. Wer am Flughafen arbeitet, wird über kurz oder lang in der Nähe siedeln wollen. „Wir müssen investieren, investieren, investieren“, mahnt Bürgermeister Haase, „vor allem in die weichen Standort-Faktoren.“ Das sind die geplante Schwimmhalle, das dringend benötigte Ärztehaus. Die Gemeinde bemüht sich jetzt um ein Gymnasium. In Kindertagesstätten hat sie schon viel Geld gesteckt; auch in die neue, auf große Aufgaben zugeschnittene Feuerwache.

Was Schönefeld noch braucht sind weitere Hotels und gastronomische Ergänzungen, dazu Freizeitangebote. Weil Menschen dazu neigen, in Arbeitsplatznähe alle wichtigen Dinge zu erledigen, gibt es im lokalen Rahmen noch viele Chancen für flinke Investoren. Neben der medizinischen Versorgung und den gastronomischen Angeboten werden auch Autowerkstätten, Reinigungen, Geschäfte für den täglichen Bedarf und mehr gebraucht – alles in der Dimension „40 000 plus“. Für Wohnbauten zeigt die Schönefelder Landkarte noch genug weiße Flecken, das gilt auch für die Nachbargemeinden in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme- Spreewald. Erfreulich aufnehmen werden die Neubürger, dass das Preisniveau bei Immobilien und Mieten noch deutlichen unter dem Berliner Pegel liegt.

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