Zeitung Heute : Viel Arbeit für das Alter

Heike Jahberg

Die Rente mit 70 ist in der politischen Debatte. Wäre das denn sinnvoll?

Mit seinem Vorstoß für eine „Rente ab 70“ hat sich der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, keine Freunde gemacht. Das Bundessozialministerium lehnte den Vorschlag prompt ab, der Sozialverband VdK nennt die Idee „abenteuerlich“, und selbst die Rentenversicherer üben Kritik.

Dabei würden sie von einer Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 70 profitieren. Sie bekämen länger Beiträge und sie müssten kürzere Zeit Rente zahlen. Das würde sich auch bei den Rentenbeiträgen auswirken. „Wenn das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 auf 67 verschoben wird, bringt das langfristig 0,6 Beitragssatzpunkte“, sagt der Sprecher des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Dirk von der Heide. In welchem Maße die „Rente mit 70“ die Rentenbeiträge sinken ließe, lasse sich derzeit aber noch nicht seriös berechnen.

Eine finanzielle Entlastung können die Rentenkassen gut gebrauchen. Denn schon heute kommen sie nur mit Mühe über die Runden. Wegen der schwachen Konjunktur brechen die Rentenbeiträge weg. Doch die echte Bewährungsprobe steht dem System erst noch bevor. Weil ab 2011 die Babyboomer in Rente gehen und dann immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner unterstützen müssen, wird sich die Finanznot verschärfen. Daher hatte die Rürup-Kommission vorgeschlagen, ab dem Jahr 2011 das gesetzliche Renteneintrittsalter um je einen Monat bis auf 67 Jahre heraufzusetzen. Der Vorteil: Der Übergang würde bis zum Jahr 2035 gestreckt. Das ist wichtig, weil ältere Arbeitnehmer heute kaum die Möglichkeit haben, länger zu arbeiten. Nur 41 Prozent der 55- bis 64-Jährigen haben derzeit einen Job. Sehr zum Ärger von Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD): „Ich appelliere an alle Unternehmen, sich auf die Zukunft einzustellen und die Integration und die Beschäftigung älterer Menschen zur Chefsache zu machen“, sagte die Ministerin dem Tagesspiegel: „Das Ziel muss sein: Jeder, der will, soll auch bis 65 arbeiten können“.

Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt heute im Schnitt bei 63,1 Jahren. 1997, als viele Firmen ältere Mitarbeiter in Frührente schickten, waren es noch 62,1 Jahre. Und: Der Trend zum späteren Renteneintritt wird sich fortsetzen. Denn nach den rot-grünen Rentenreformen haben künftig immer weniger Menschen die Chance, überhaupt in Frührente zu gehen. Hinzu kommt: Für jeden Frührenten-Monat wird die Rente um 0,3 Prozentpunkte gekürzt. Wer mit 60 Jahren Rentner wird, muss Abschläge von 18 Prozent hinnehmen. Wie hoch die Abschläge bei der „Rente mit 67“ oder gar der „Rente mit 70“ liegen werden, ist noch unklar. Nur eines steht fest: Hohe Abschläge lassen sich nur dann rechtfertigen, wenn die Betroffenen später die Wahl haben – zwischen Rente und Arbeit. Sonst nicht.

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