Zeitung Heute : Viel Dynamik und hohe Qualität

Ingo von Dahlern

Seine Ahnenreihe ist eine Herausforderung - Olympia, Ascona, Vectra. Der Olympia war in den Dreißigern das erste europäische Großserienauto mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, der Vectra-Vorgänger Ascona mit 4,4 Millionen Fahrzeugen, die in drei Generationen gefertigt wurden, ein Besteller in der Mittelklasse. Und das gilt auch für die bislang 4,5 Millionen Modelle des bisherigen Vectra, die in Gesamteuropa von 1996 bis 1998 sogar ununterbochen Marktführer in ihrem Segment waren. In den letzten Jahren allerdings verließ Opel das Glück, Verkaufszahlen und Marktanteile schrumpften und statt schwarzen schrieb man schließlich rote Zahlen. Höchste Zeit also, kräftig gegenzusteuern. Und eine erste entscheidende Etappe auf diesem Weg ist die neue Generation des Vectra, die am 27. April in die Ausstellungsräume der deutschen Opel-Händler rollt, nachdem sie Anfang März in Genf ihren ersten großen öffentlichen Auftritt hat.

Der neue Vectra ist mehr als nur ein rundum neu konstruiertes Auto, sondern auch ein Auto, das aus einer völlig neuen Fabrik kommt, die erst vor wenigen Wochen eröffnet wurde und Europas derzeit wohl modernstes Automobilwerk ist. Und schließlich ist der Vectra ein Auto, mit dem Opel den Schritt zu einem moderneren Design wagt, fort von dem etwas biederen Design der aktuellen Modelle. Für Großserienhersteller ist ein neues Design immer ein Schritt, der gut überlegt sein will. Denn allzu große Sprünge können zu einem sehr großen Problem werden, wenn sie nicht angenommen werden. Allerdings sollte man auch nicht zu zaghaft sein, wie es Opel beim Wechsel zur neuen Corsa-Generation Ende 2000 war. Der Corsa ist zwar ein in seiner Klasse technisch in jeder Beziehung überzeugendes Auto - aber ihm fehlt die dazu passende Optik und Ausstrahlung.

Die allerdings hat die neue Vectra-Generation, wobei die attraktivsten Akzente nicht unbedingt in der neuen Opel-Front liegen, sondern speziell beim Vectra auch in der Spannung und Dynamik zeigenden Seitenlinie und vor allem im Heck.. Denn so markant und unversechselbar hat man Heckpartien in Rüsselsheim bislang nicht gezeichnet. Doch auch die neue Front mit dem trapezförmigen in die Motorhaube integrierten Grill und den doppelstöckigen Klarglas-Scheinwerfern wirkt ansprechend. Und einen besonders großen Schritt voran macht Opel im Innenraum des Vectra. Das gilt sowohl für das besonders übersichtliche Instrumentenbrett als auch die Mittelkonsole mit ihrem klaren und sachlichen Design. Hinzu kommt die Verwendung hochwertiger Werkstoffe und eine sehr sorgfältige Verarbeitung - kurzum, der Vectra der neuesten Generation hat in der Ausstattungsqualität einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht, wirkt sehr viel wertvoller und eleganter als der Vorgänger.

Und er ist auch geräumiger als der. Denn mit nun 4,60 Meter misst er in der Länge zehn Zentimeter mehr. Jeweils fünf Zentimeter zugelegt hat er bei der Breite, die nun 1,80 Meter misst und der Höhe von nun 1,46 Meter. Das sind in Verbindung mit dem um sechs auf 2,70 Meter gewachsenen Radstand zusätzliche Zentimeter, die man sofort spürt, wenn man in den Vectra einsteigt. Denn man hat in jeder Richtung mehr Platz, vor allem auch auf den Fondsitzen. Und für die Klasse des Vectra besonders groß fällt mit 500 Liter der Gepäckraum aus, der dazu noch variabel ist. Insgesamt also ein durchaus respektables Auto, das seinen Anspruch auf einen der vorderen Plätze in der Mittelklasse auch bei der Komfort- und Sicherheitsausstattung betont. Ein höhenverstellbarer, sehr komfortabler und guten Seitenhalt gebender Fahrersitz und und ein in Neigung und Höhe verstellbares Lenkrad, elektrische Fensterheber vorn und eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung für Türen und Kofferraum, beheizbare elektrisch verstellbare Außenspiegel und eine elektrohydraulische Servolenkung sind Serie bei allen Vectra-Versionen. Zur nicht weniger umfangreichen Sicherheitsausstattung gehören im passiven Bereich verbesserte aktive Kopfstützen vorn und verstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen, Full Size Front- und Seitenairbags vorn, Kopf-Seitenairbags vorn und hinten, Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen, Gurtstraffer an den vier Außenplätzen und das Pedal-Release-System. Zur aktiven Sicherheit zählt nun für alle Vectra-Modelle die Fahrdyamikregelung ESP - und zwar in der neuesten Generation, mit der sich bis zu drei Räder zum Stabilisieren des Fahrzeugs individuell bremsen lassen. Die vier Scheibenbremsen werden unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und als elektronischer Helfer für Gefahrensituationen mit an Bord ist schließlich auch der Bremsassistent.

Fünf Motoren stehen für den Vectra zur Wahl - drei Benziner und zwei moderne Turbodiesel. Noch nicht erproben konnte man den Spitzenbenziner, einen 3,2-Liter-V6 mit einer Leistung von 155 kW (211 PS), der vorerst für den Vectra GTS vorgesehen ist - eine sportliche Schrägheckvariante mit um sechs Zentimeter längerem Radstand, die der stärkste und schnellste je gebaute Vectra sein wird, binnen 7,5 Sekunden Tempo 100 und maximal 248 km/h erreicht und damit echte Sportwagenqualitäten zeigt. Allerdings erscheint der GTS erst einige Monate nach den Stufenheckversionen.

Die bieten bei den Benzinern die Wahl zwischen zwei modernen Vierventil-Vierzylindern mit 1,8 und 2,2 Liter Hubraum und Leistungen von 74 und 92 kW (100 und 125 PS). Sehr kultivierte Benziner, deren größerer dem Vectra zu sehr flotten Fahrleistungen verhilft und ihn binnen 10,2 Sekunden Tempo 100 und maximal 216 km/h ereichen lässt. Beschleunigungswerte und Geschwindigkeiten, die hohe Ansprüche an das Fahrwerk stellen, wenn man mit diesem Motor zügig auf kurvigen Bergstraßen unterwegs ist. Und hier zeigte sich bei den ersten Probekilometern, wo die Opel-Ingeieure bei der Entwicklung des neuen Vectra besonders überzeugende Arbeit geleistet haben - beim Fahrwerk nämlich. Interaktives Dynamisches FahrSystem (IDS) nennen sie die neue Fahrwerkkonstruktion, die auf einer an einem Fahrschemel angelenkten Federbein-Vorderachse und einer neuen Vierlenker-Hinterachse basiert. Beide haben dank vieler Aluminium-Teile niedrige ungefederte Massen. Kombiniert mit der kennfeldgesteuerten elektrohydraulischen Servolenkung und unterstützt durch ein Vierkanal-ABS mit Kurvenbrems-kontrolle sowie die Fahrdynamikregelung ESP der neusten Generation macht dieses System den Vectra so fahrsicher, dass man ihn selbst bei flotter Kurvenfahrt völlig ruhig in der Hand hat und er präzise den Lenkbefehlen folgt, ohne den Fahrer vor große Probleme zu stellen. Und ebenso problemlos gleitet er komfortabel über die Autobahn.

Und wenn man auf der unterwegs ist, dann zeigen sich auch die hohen Qualitäten, die in den Opel-Turbodieseln stecken. Das gilt insbesondere für den 2,2-Liter mit seinen zwei gegenläufigen Ausgleichswellen, der so leise und kultiviert läuft, dass man sehr genau hinhören muss, um ihn überhaupt als Diesel zu identifizieren. Und mit 10,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 206 km/h ist dieser Selbstzünder ein geradezu sportliches Triebwerk, das zeigt, dass Common Rail und die hier eingesetzte Einspritzpumpe VP44 durchaus ebenbürtige Techniken sind. Diesen Motor kann man übrigens ebenso wie den 2,2-Liter-Benziner mit der neu entwickelten Fünfgang-Automatik mit manueller Schaltgasse kombinieren, die sich als adaptive Automatik an den Fahrstil des jeweiligen Lenkers anpasst.

Nicht nur optisch, sondern auch technisch bringt der neue Vectra also durchaus gute Voraussetzungen mit, an die Erfolge der Vorgänger anzuknüpfen. Und das zu Preisen, die, bei 20 250 Euro beginnend, ausstattungsbereinigt sogar noch unter denen des bisherigen Vectra liegen.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Viertürige Stufenhecklimousine.

Maße/Gewichte: 4,60m lang, 1,80 m breit, 1,46 m hoch, Radstand 2,70 m, Leergewicht 1395 kg, Zuladung 475 kg, Kofferraum 500 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit Vierventiltechnik und 1,8 Liter mit 90 kW (122 PS) und 2,2 Liter mit 108 kW (147 PS) , Vierzylinder-Turbodiesel mit Vierventiltechnik und Direkteinspritzung mit 2,0 Liter und 74 kW (100 PS) und 2,2 Liter und 92 kW (125 PS) Fünfgang-Getriebe, Fünfgang-Automatik mit manueller Schaltgasse, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorne mit McPherson-Federbeinen, hinten Vierlenkerachse, Zahnstangenlenkung mit elektrohydraulischer Servounterstützung, vier Scheibenbremsen, ABS mit elektronischer Brems-kraftverteilung, Fahrdynamikregelung ESP, Bremsassistent.

Fahrleistungen: 10,2-13,0 s von Null auf Tempo 100, 192-216 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 5,9-8,6 l/100 km .

Preise: 20 250 Euro (Vectra 1.8) bis 24 100 euro (Vectra Elegance 2.2) und 20 800 euro (Vectra 2.0 DTI bis 24 450 Euro (Vectra Elegance 2.2 DTI).

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!