Zeitung Heute : Viel Freiraum und pfiffige Technik

Moderne Küchen sollten so individuell sein wie ihre Nutzer. Worauf man bei Planung und Kauf achten muss

Silke Zorn
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Kreatives Zentrum. Offene Küchen schaffen eine reizvolle Verbindung zwischen Kochen und Wohnen. Wichtig sind dann allerdings...

Der Kühlschrank brummt, die Schubladen klemmen und die Schranktüren, Modell Eiche rustikal, lösen sich langsam in ihre Bestandteile auf. Höchste Zeit für eine neue Küche? Die Auswahl an Designs und Geräten ist riesig. Doch ganz so einfach wie der Kauf eines neuen Sofas ist die Anschaffung nicht. Küchen sind Maßarbeit – und sollten nicht nur auf die räumlichen Verhältnisse, sondern auch auf ihre Nutzer zugeschnitten sein.

Der erste Schritt beim Küchenkauf: „Überlegen, welcher Kochtyp man ist“, sagt Uwe Völcker, der beim Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) den Landesverband Berlin-Brandenburg leitet. „Wer viel kocht, wird auf andere Details Wert legen als jemand, der sich meist nur ein Fertiggericht in die Mikrowelle schiebt. Wieder andere wollen einfach, dass ihre Küche schick aussieht.“ Gerade bei den Geräten ist diese Überlegung wichtig, denn hier gibt es enorme Preisunterschiede, aber zum Beispiel auch bei der Wahl der Arbeitsplatte. „Wer schon fast professionell kocht, wird vermutlich Edelstahl bevorzugen, wem eine schöne Optik wichtig ist, vielleicht eher Naturholz“, sagt Völcker.

„Auch das Einkaufsverhalten sollte unter die Lupe genommen werden“, ergänzt Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK). Wer viel auf Vorrat kauft oder zum Beispiel einen Garten mit Obst und Gemüse hat, braucht mehr Stauraum als jemand, der alle zwei Tage nur das Nötigste aus dem Supermarkt holt. „Schön für die Vorratshaltung sind Apothekerschränke, die sich komplett herausziehen lassen“, sagt Uwe Völcker. Ein Freund von Hängeschränken ist der Innenarchitekt dagegen nicht – aus optischen Gründen. Der Raum wirke dann schnell eng und zugebaut. Besser findet Völcker offene Regalboards, die man mit schönen Küchenutensilien bestücken kann – vorausgesetzt, man ist auf den Stauraum über der Arbeitsplatte nicht angewiesen.

Bei der Frage „Wohin stelle ich was?“ geben die vorhandenen Anschlüsse die Richtung vor. Oft gibt es gar keine andere Möglichkeit, als Herd, Geschirrspüler und Spülbecken in einer Reihe anzuordnen und den Rest der Küche drumherum zu planen. „In der eigenen Immobilie kann man hingegen durchaus überlegen, ob man Anschlüsse verlegt, Räume tauscht oder mit einem Durchbruch öffnet“, regt der Einrichtungsexperte an.

Die Wege in der Küche sollten kurz sein, damit die Arbeit effektiv von der Hand geht. Dazu sollte man die Abläufe beim Kochen einmal im Kopf durchspielen: Gemüse schneiden, Topf holen, Gemüse rein, Topf auf den Herd, Gemüse raus, Topf in die Spülmaschine und so weiter. Praktisch also: eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Töpfe, Pfannen und Auflaufformen direkt am Herd, genügend Arbeitsplatte daneben. Und den Müll unter der Spüle für die schnelle Abfallentsorgung.

Dass Kochstelle und Kühlschrank nicht direkt nebeneinander stehen sollten, leuchtet ein. „Moderne Herde sind aber so gut isoliert, dass man daneben problemlos einen normalen Küchenschrank oder die Spülmaschine platzieren kann“, sagt Uwe Völcker. Über der Kochstelle sollte man mindestens 60 Zentimeter Abstand bis zur Dunstabzugshaube einhalten. Und: Um genug Bewegungsfreiheit zu haben, ist vor dem Herd sowie vor den „Arbeitsstrecken“ eine Mindesttiefe von 1,20 Meter nötig.

Auch die Höhe der Arbeitsplatte ist ein wichtiges Maß, damit man rückenschonend arbeiten kann. „85 Zentimeter war hier der Standard“, sagt Völcker. „Da die Menschen aber immer größer werden, geht der Trend in Richtung 90.“ Viele Hersteller bieten auch Einbaugeräte wie Öfen oder Spülmaschinen auf Brusthöhe an, die das Bücken überflüssig machen. Schränke und Schubladen mit Vollauszügen verhindern langes Suchen – und den damit verbundenen krummen Rücken. „Optimal nutzen lassen sie sich mit individuellen Unterteilungen für Besteck, Teller oder Gewürze“, sagt Frank Hüther. Abschließbare Fächer für Messer, Scheren und Putzmittel machen die Küche kindersicher.

Wer beim Aussuchen der Einrichtung schon an später denkt, findet im Handel inzwischen viele Möbel und Geräte, mit denen man Küchen barrierefrei gestalten kann. Dazu gehören voll ausziehbare Schränke ebenso wie mit dem Rollstuhl unterfahrbare Arbeitsplatten, Steckdosenleisten, die sich aus der Arbeitsfläche herausziehen lassen oder hochgebaute Geschirrspüler. Selbst Oberschränke lassen sich inzwischen per Knopfdruck auf Arbeitsplattenniveau herunterfahren.

Für Gemütlichkeit – und entspanntes Schnippeln – sorgt ein Sitzplatz. „In kleinen Räumen kann man zum Beispiel einen Klapptisch oder eine Esstheke anbringen“, sagt Hüther. Überhaupt gibt es einige Tricks, um aus beengten Küchen das Optimum herauszuholen. „Eine Abdeckung für die Spüle sorgt für zusätzliche Arbeitsfläche“, sagt der Experte. Außerdem könne man überlegen, Möbel in ein angrenzendes Zimmer auszulagern und sich zum Beispiel einen kleinen Arbeitsblock in den Flur oder eine Ecke des Wohnzimmers zu stellen. Helle Fronten machen den Raum optisch größer, Farbakzente an den Wänden und kleine Deko-Details lenken ab. „Kleiner als acht Quadratmeter sollte eine Küche aber möglichst nicht sein“, setzt Hüther dem Einfallsreichtum Grenzen.

Offene Küchen kommen immer mehr in Mode und sind ein schöner Hingucker. Bei der Wahl der Geräte muss man allerdings darauf achten, dass man im angrenzenden Wohnraum nicht von Geräuschen und Gerüchen belästigt wird. „Hier sollte man auf jeden Fall in eine leise Spülmaschine investieren“, rät Innenarchitekt Völcker. Auch das Rauschen der Dunstabzugshaube, die bei offenen Küchen Pflicht ist, lässt sich minimieren. „Wer eine Ablufthaube an den Schornstein anschließen kann, sollte eine Haube mit möglichst großem Rohrdurchschnitt nehmen, am besten 15 Zentimeter“, empfiehlt er. Denn je größer das Rohr, desto leiser und leistungsstärker die Haube. Um keine kalte Außenluft aus dem Kamin einzulassen, sollte bei Außenwandanschlüssen eine dicht schließende Klappe angebracht werden.

Auch Licht spielt in der Küche eine große Rolle. „Um die Farbe des Kochguts nicht zu verfälschen, ist eine neutrale Lichtfarbe wichtig“, weiß Völcker. Gemütliche Kuschelleuchten seien ebenso fehl am Platz wie rötliches Licht, das an der Fleischtheke im Supermarkt dafür sorgt, dass die Steaks so schön frisch aussehen. In der Küche erkennt man aber unter Umständen nicht, wenn Ware verdorben ist.

Wer vor dem Gang zum Innenarchitekten oder ins Küchenstudio schon in Eigenregie an seiner Traumküche basteln will, kann sich an einer Selbstplanungs-Software versuchen. Viele Programme kann man inzwischen kostenlos aus dem Internet herunterladen. „Das ist schön, um einen ersten räumlichen Eindruck zu bekommen“, meint Völcker. Den Gang zum Profi ersetze es jedoch nicht. Erstens seien viele Programme sehr kompliziert. Zweitens könne man dabei nicht bis ins letzte Detail gehen. Wer dann noch Fehler macht und zum Beispiel Anschlüsse falsch einplant, erlebt später eine herbe Enttäuschung, wenn die eigenen Ideen nicht umsetzbar sind.

Auch beim Selbstaufbau raten die Experten zur Vorsicht. „Herde sollte immer ein Profi anschließen, ebenso Wasser. Gerade im Mietobjekt können Fehler hier teure Folgen haben“, sagt Uwe Völcker. Und Frank Hüther weist auf ein weiteres Problem bei der Selbstmontage hin: „Macht man Fehler oder wird die Ware dabei beschädigt, haftet der Hersteller nicht.“

Wer das Projekt „Küche“ angeht, kann schließlich auch überlegen, ob er den Raum nicht einer grundlegenden Schönheitskur unterzieht. Braucht man hier und da zusätzliche Steckdosen? Ist ein schöner Wandanstrich oder ein neuer Fußboden fällig? Genug Zeit für derartige Arbeiten ist allemal. Denn die Lieferzeiten können je nach Küchenhersteller gut und gerne drei Monate betragen.

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