Zeitung Heute : Viel Kunst für wenig Geld

Die Editionsgalerie Lumas hat eine Marktlücke zwischen exklusiver Fotokunst und Billig-Postern erschlossen. Das Geschäft mit bezahlbaren Drucken ist erfolgreich, bald eröffnen Zweigstellen in Paris, Zürich und New York

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Von Christine Berger Bekannte Bilder haben sich schon immer gut verkauft. Unikate müssen es allerdings sein, und natürlich von gefragten Künstlern. Lumas, eine „Editionsgalerie“ für Fotokunst macht vor, wie das Geschäft mit der Kunst auch mit Masse funktioniert. Seit der Gründung 2004 in Berlin schießen die Umsätze raketenartig nach oben. Machte Lumas 2005 noch 2,5 Millionen Euro Umsatz, werden in diesem Jahr bereits 5,6 Millionen Euro anvisiert. 35 Angestellte kümmern sich um den Vertrieb und Verkauf von monatlich 1600 Fotografien von zurzeit 90 Künstlern, die via Internet und in sechs Galerieshops verkauft werden. Je nach Größe und Auflage der Bilder bewegen sich die Preise ab 50 Euro aufwärts.

„Zwischen dem klassischen Museumsshop, der industriell gefertigte Drucke verkauft, und der Galerie mit drei bis sieben Unikaten eines Bildes gab es ein großes Vakuum. Das hat uns auf die Idee gebracht, Fotokunst einem größeren Publikum nahe zu bringen – und dies zu erschwinglichen Preisen“, so Lumas-Gründer Marc Alexander Ullrich. Gesagt, getan. Unter Mithilfe eines Kuratoriums, das die von Lumas vertretenden Fotokünstler auswählte, kamen die ersten limitierten Fotoeditionen in den Laden am Hackeschen Markt.

Dort wird seitdem bei Lounge-Musik die Fotokunst an Mann und Frau gebracht. Bis zur Decke reiht sich Foto an Foto. Die Preisschilder geben Auskunft darüber, was das Foto mit oder ohne Rahmung kostet. Manches Bild wird auch mit 40 Prozent Preisnachlass feilgeboten – „Ausstellungsexemplar“ steht dann mit fettem Rotstift auf dem Preisschild. Der populistische Umgang mit der Fotokunst ist weltweit nicht unumstritten, befürchten Kunstexperten doch einen verwässerten Markt, auf dem Fotos zum Dumpingpreis die Aura ihrer Einzigartigkeit verlieren.

Vielen Fotokünstlern scheint das egal zu sein. So verkauft etwa die bekannte deutsche Fotokünstlerin Stefanie Schneider ihre Fotos gleich im Dutzend bei Lumas. Das Foto „Max by the pool“ etwa kostet je nach Größe zwischen 150 und 440 Euro bei einer Auflage von 100 oder 150 Exemplaren. Das sind erschwingliche Preise, die auch kunstferne Klientel in die Shops lockt. Der Preisknick-Trick ist simpel: Kostet etwa ein Fotokunstwerk im Format 100 mal 120 cm bei einer Auflage von fünf Exemplaren 12 000 Euro, rechnet man bei Lumas folgendermaßen: Hätte das Foto nur ein Viertel der Größe und würde sich die Auflage von fünf auf 100 erhöhen, zahlte der Käufer nur ein Zwanzigstel, das sind 150 Euro.

Eine Rechnung, die etlichen Künstlern einleuchtet, zumal ihre Fotos dadurch eine größere Verbreitung weltweit finden. Dass Lumas mittlerweile nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, München, Düsseldorf und seit neustem auch in Stuttgart Shops betreibt, ist dem regen Interesse gedankt. Eine Marktlücke wird bedient, demnächst auch in Paris, Zürich, Frankfurt und New York.

Galerie in der Oranienburger Str. 1-3, Mitte. Öffnungszeiten: wochentags 11 bis 20 Uhr, Sa. 10 bis 20 Uhr, So. 13 bis 19 Uhr (kein Verkauf). Telefon: 030 - 30 30 69 69.

www.lumas.de.

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