Zeitung Heute : Viele Köche für viele Gerüchte

Henrik Mortsiefer

Berlin ist eine große Gerüchteküche. Seit die Bundespolitik in der Stadt zu Hause ist, richten professionelle Medienköche jeden Tag etwas Neues an. Dabei sind Namen oft Nachrichten. PR-Agenturen, Lobbyisten und Politikberater tummeln sich. Sie bringen Politiker, Unternehmer und Journalisten zusammen. Sie sondieren, welche Debatten geführt und angestoßen werden können. Sie schalten sich in das Gesetzgebungsverfahren ein. Und sie machen Minister manchmal talkshow-tauglich.

„Berlin ist nach Düsseldorf unser wichtigster Standort“, sagt Cornelius Winter von Pleon Kohtes Klewes, nach eigenen Angaben Deutschlands marktführende Agentur für Public Relations und Public Affairs. „2001 waren wir 20 Mitarbeiter in Berlin, heute sind wir 90 – ein Indiz dafür, dass die Stadt für unsere Branche stark an Bedeutung gewonnen hat“, sagt Winter, der vom 1. Mai an zusammen mit Christiane Schulz das Hauptstadtbüro leiten wird.

Die Nähe zur Bundespolitik macht Berlin auch für Unternehmen interessant, die nicht hier ihren Standort haben. „Unsere Kunden erwarten, dass wir in Berlin vertreten sind“, sagt Winter. Früher habe es immer geheißen: Berlin hat ja doch keine Industrie. Nach dem Regierungswechsel habe sich die Wahrnehmung geändert. Mancher Vorstand reist heute gerne selber an, um mit Staatssekretären oder Ministern beim Mittagessen über unternehmensrelevante Dinge zu sprechen. Und die Agenturen sind bei der Kontaktpflege behilflich.

Wie viele PR-Profis arbeitet Pleon Kohtes Klewes für beide Seiten, für Unternehmen (Microsoft) und für die Politik (Bundesfamilienministerium). „Man muss die Entscheidungsträger gut kennen und immer wissen, was politisch gerade geht – und was nicht“, sagt Winter. Zehn bis 15 Prozent der Beamten und Politiker seien wirklich entscheidend. Diese Zielgruppe gelte es anzusprechen. Aber: Das versuchen alle. „Man muss unter Beweis stellen, dass man ein im politischen Kontext wirklich relevantes Anliegen und auch eine Lösung hat“, sagt Winter. In der großen Gerüchteküche Berlin wird das jeden Tag schwieriger.

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