Zeitung Heute : „Viele Printmedien leisten vergeblich Widerstand“

Der Tagesspiegel

Von Sten Martenson

Der eine oder andere Medienunternehmer, der eine oder andere Politiker mag hoffen, dass der Machthunger eines Rupert Murdoch irgendwann gestillt sein könnte. Der Australier ist schließlich ein alter Mann. Der Glaube, die Murdochs, Kirchs oder Malones seien das Problem, scheint weit verbreitet. Diese Männer aber sind ersetzbar. Wir kennen nur die neuen Namen nicht. Wenn in europäischen und deutschen Medienunternehmen oder in der Berliner Regierung die Angst vor Übergriffen ausländischer Invasoren umgehen sollte, hilft dagegen weder die Hoffnung auf die Altersschwäche der Akteure noch der Glaube an wirksame politische Bremsmanöver. Man kann nicht die Globalisierung der Ökonomie als unabwendbar und vielleicht sogar segensreich feiern und gleichzeitig versuchen, nationale Schutzzonen einzuzäunen. Die Globalisierung macht vor dem Medienmarkt nicht halt. Es ist ja richtig, dass es etwas anderes ist, ob ein Autoproduzent sich in Japan oder Frankreich einkauft oder ein erzkonservativer Unternehmer versucht, sein amerikanisiertes Weltbild über die Köpfe argloser Verbraucher zu stülpen. Nur: Im Prinzip macht es keinen Unterschied.

Murdochs europäische Vorläufer, ob sie nun Kirch oder Berlusconi heißen, haben der aktuellen Entwicklung Vorschub geleistet. Welcher deutsche Politiker hat sich aber schlaflos im Bett gewälzt, als Leo Kirch nicht nur kilometerweise Filme, sondern pure Fernsehmacht anhäufte? In den 70er Jahren schien es noch ein unverbildetes Gefühl für missbrauchte mediale Gewalt, vielleicht sogar für mediale Qualität, zu geben. Heute ist es nicht mehr Springers „Bild", die die Köpfe der Menschen beherrscht, sondern der viele wertlose Müll, der über die Schirme in den Wohnstuben flimmert. Viele Printmedien sind bemüht, dagegen zu halten. Es ist ein vergeblicher Widerstand. Ihr Wirkungsgrad und ihr Profitpotenzial ist machtbewussten Mediengewaltigen zu gering. Nicht zufällig verbreitet Murdoch die Botschaft, dass ihm der deutsche Zeitungsmarkt ziemlich schnuppe ist. Trost spendet das nicht.

Der Autor war von 1990-1995 Vorsitzender der Bundespressekonferenz.

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