Zeitung Heute : „Viele Touristen fallen einfach um“

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Lorenz Auweiler ist Pflegedienstleiter des St. MarienHospital in Köln, das sich mitten im Zentrum des Kölner Karnevals, fünf Gehminuten vom Kölner Dom entfernt, befindet.

Herr Auweiler, wie bereiten Sie sich auf Rosenmontag vor?

Wir verdoppeln unser Personal in der Ambulanz, außerdem organisieren wir uns vor den Karnevalstagen Feldbetten, die wir in der Ambulanz aufstellen und durchnummerieren. Bei der Aufnahme wird manchmal kein Name mehr aufgeschrieben, weil viele Patienten nicht mehr richtig sprechen können und auch keinen Ausweis bei sich haben. Wir schreiben dann einfach die Nummer des Feldbettes in die Formulare und in Ausnahmefällen auch auf den Patienten selbst. Neben den Pritschen haben wir natürlich Decken und Brecheimer da.

Wer kommt denn während der Karnevalszeit so zu Ihnen?

Das sind vor allem intoxikierte Patienten, sprich: Betrunkene. Der überwiegende Teil davon sind junge, oft sehr junge Menschen. Die Jüngsten sind 12 oder 13. Die zweite große Gruppe sind Touristen. Die kommen nach Köln, um hier Karneval zu feiern, können aber die Kombination aus Kälte, Bewegung und Schnaps nicht abschätzen, trinken zu viel und werden irgendwann „vom Hammer eingeholt“ und fallen einfach um.

Das klingt nicht wirklich nach ausgelassenen Tagen.

Die Stimmung bei der Arbeit ist trotzdem gut. Viele Pfleger und Schwestern verkleiden sich bei der Arbeit. Und dann sitzen oft ganze Gruppen angetrunkener Jugendlicher mit verrutschten Kostümen um einen Freund herum, und dem geht’s so gar nicht gut. Das ist schon sehr skurril.

Bekommen die Patienten etwas gegen den Kater?

Wenn sie wieder etwas trinken können, natürlich Wasser für den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Sonst aber nichts. Die sind doch selbst schuld. Sollen wir denen auch noch einen Hering einpacken?

Na, immerhin nimmt Karneval für diejenigen ein vorzeitiges Ende.

Nicht unbedingt. Wir haben auch schon Patienten gehabt, die zwei- bis dreimal am Tag wiederkamen.

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