Zeitung Heute : Viele Wege in die Pflege

Mit dem demografischen Wandel steigt der Bedarf an Pflegefachleuten – an der Basis und im Management

Viola Zech

Ines Hoffmann war 20 Jahre mit Leib und Seele Krankenschwester. Dann, im Urlaub in Garmisch Partenkirchen, stürzte sie beim Eislaufen und brach sich die rechte Hand. Ein komplizierter Trümmerbruch, der nicht richtig heilte. Arthrose und Schmerzen waren die Folge – das Aus für ihren Traumjob. In einem anderen Beruf zu arbeiten kam für die 38-Jährige allerdings nicht in Frage. Jetzt besucht Ines Hoffmann seit September ein einjähriges Programm des Instituts für Marktwirtschaft (IMA) in Berlin, das ausgebildete Pflegekräfte mit Berufserfahrung für eine Führungsposition im Gesundheits- und Pflegewesen fit macht. Im theoretischen Teil der Ausbildung lernen die Teilnehmer Datenverarbeitung, Betriebswirtschaft, Mitarbeiterführung und verschiedene Führungsstile kennen. Im praktischen Teil werden sie insgesamt drei Monate in einer ambulanten und einer stationären Pflegeeinrichtung eingesetzt.

Wer sich für eine Umschulung oder Weiterbildung in der Pflege interessiert, stößt auf ein breites Angebot. Olaf Möller, Pressesprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit, macht Mut: „Der Bereich Pflege ist durch gesellschaftliche Veränderungen eine Berufssparte mit Zukunft geworden. Der einzelne muss jedoch ganz genau schauen: Was kann ich, wohin will ich,“ – und sich dementsprechend nach einer Weiterbildung umsehen.

In Berlin bietet etwa die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Walter May (Stiftung PSI) ebenfalls eine Qualifizierung zur Pflegedienstleitung an. Der berufsbegleitende Kurs dauert mit zwei Jahren zwar etwas länger, lässt sich aber gut mit einem Beruf vereinbaren. Außerdem hat der Bildungsträger eine Umschulung zum Altenpfleger im Programm. „Wir schätzen an Umschülern vor allem die Lebenserfahrung, die sie bereits mitbringen“, sagt Beate Swoboda vom Sozialpädagogischen Institut, „denn Bewerber in fortgeschrittenem Alter sind für die Begleitung alter Menschen in schwierigen Situationen oft besonders geeignet.“

Das Institut ermöglicht den theoretischen Teil der Ausbildung, ein Kooperationspartner – zum Beispiel ein Altenpflegeheim – den praktischen. Die Umschulung zum Altenpfleger dauert insgesamt drei Jahre, von denen die ersten zwei in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden können. Das dritte Jahr muss dann von der Einrichtung bezahlt werden, in der der Auszubildende seinen Praxisteil absolviert. Nicht selten ein Problem, wie Klaus Wischniewski, Schulleiter der privaten Altenpflegeschule Dr. Weiß und Partner (DWP) in Berlin-Neukölln, zu berichten weiß: „Leider sind immer noch zu wenige Kooperationspartner bereit, die Finanzierung des dritten Ausbildungsjahres zu übernehmen.“

Auch Fachhochschulen bieten immer häufiger Studiengänge im Bereich Pflege an, so etwa das dreijährige Bachelorstudium Gesundheits- und Pflegemanagement an der Alice Salomon Fachhochschule Berlin (ASFH). Hier werden auch Bewerber ohne Abitur oder Fachhochschulreife zugelassen, die sich durch eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine mindestens vierjährige Tätigkeit in der Pflege qualifiziert haben. Viele der Absolventen machen sich anschließend mit einem privaten Pflegedienst selbstständig, arbeiten in der Pflegedienstleitung oder als Qualitätsbeauftragte in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Per Fernstudium kann man sich zum Beispiel an der Fern-Hochschule Hamburg (HFH) im Pflegemanagement weiterbilden. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Pflegewissenschaft, Betriebswirtschaft und pflegerelevante rechtliche Aspekte. Die Evangelischen Fachhochschule Hannover bietet ebenfalls einen berufsbegleitenden Masterstudiengang Management für Pflege- und Gesundheitsberufe an.

Relativ neu ist eine Qualifikation zum Alltagsbegleiter für Menschen mit Demenz. „Bewerber müssen keine Berufsausbildung im Bereich Pflege mitbringen, sondern die Schule des Lebens durchlaufen haben,“ sagt Marina Glauche vom Anbieter IQ – Innovative Qualifikation in der Altenpflege. Sehr junge Bewerber werden daher nur in Ausnahmefällen zugelassen, Interessenten ab Mitte bis Ende 50 gerne gesehen. „Menschen mit Demenz brauchen ganz besonders viel Aufmerksamkeit, die die Altenpflegekräfte allein nicht leisten können“, erklärt Marina Glauche. „Die intensive Betreuung durch den Alltagsbegleiter fördert die Demenzkranken und macht sie ausgeglichene, wacher und ruhiger.“

IQ bietet den Kurs bereits in sechs Städten in ganz Deutschland an, ab Mai 2007 auch im Katharinenhof am Dorfanger in Berlin-Fredersdorf. Die Erfahrungen der übrigen Standorten sind ausgesprochen gut: 80 Prozent der inzwischen ausgebildeten Alltagsbegleiter haben laut IQ einen Beruf gefunden. Auch Ines Hoffmann möchte nach ihrer Weiterbildung zur Pflegedienstleitung in einer Einrichtung arbeiten, die sich um demenzkranke und behinderte Menschen kümmert – und hat sogar schon einen Job in Aussicht.

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