Zeitung Heute : „Viele wollen nachts öffnen“

Der Veranstalter der Shoppingnacht fordert Öffnungszeiten nach 20 Uhr – und bei Großereignissen auch an Sonntagen

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Herr Erbe, die meisten Bundesländer wollen den Ladenschluss werktags abschaffen – ist das ein Erfolg der Langen Nacht des Shoppings?

Ich denke, der Kaufhof am Alexanderplatz mit seinem Sonntagsverkauf und unsere Lange Nacht haben maßgeblich dazu beigetragen, dass langsam das europäische Niveau bei den Verkaufszeiten erreicht wird. Wann der Bundestag über die LänderZuständigkeit entscheidet, müssen wir abwarten. Aus meiner Sicht gibt es aber keinen Grund, das an andere Föderalismusthemen zu koppeln.

Was halten Sie davon, dass der bundesweite Hauptverband des Einzelhandels (HDE) vor unterschiedlichen Öffnungszeiten in den Bundesländern warnt?

Es ist nicht angemessen, wenn Verbandsvertreter mehr Flexibilität, aber auch Gleichheit fordern. Unterschiede wird es immer geben. Selbst für manche Shoppingcenter lohnt es sich vielleicht auch künftig nur, bis 20 Uhr zu öffnen. Das kann nicht vom Verband gesteuert werden, zumal die ja gegen Zwang sind.

Forden Sie regelmäßige Sonntagsöffnungszeiten?

Beim Sonntagsverkauf sehe ich den Sinn nur bei Events wie der Fußball-WM. Das hängt auch vom Produktsortiment und dem Standort ab. Der Sonntag ist interessant für kleine Szene-Anbieter. Für die Großen der Branche, die Betriebsräte haben, ist es kompliziert. Hohe Zusatzkosten können die Sonntagsöffnung unwirtschaftlich machen.

Welche Verkaufszeiten sind in der City West zu erwarten, falls der Ladenschluss werktags entfällt?

Viele Geschäfte würden bis 22 Uhr öffnen, freitags und sonnabends wohl auch länger – vor allem im Sommer, wenn viele Touristen da sind. Die Aktivitäten der Berlin Tourismus Marketing GmbH und Billigflüge nach Berlin bringen ein zusätzliches Potenzial.

Wird die Shoppingnacht vielleicht bald überflüssig?

Nein, wegen der hohen Bekanntheit wollen sich große Anker-Mieter wie Peek & Cloppenburg in jedem Fall weiter beteiligen, um den Ku’damm als Shoppingstandort zu vermarkten. Es kann auch nicht an jedem Freitag oder Sonnabend ein großes Rahmenprogramm geben.

Das Gespräch führte Cay Dobberke.

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