Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Keine Theorien ableiten, aber den Klima-Effekt vom Reden und Reisen messen

Die neuen deutschen Topterroristen heißen Fritz und Daniel. Hat das mehr mit Deutschland oder mit dem Islam zu tun?

Nur Journalisten würden aus einer Stichprobe von zwei eine ganze Theorie saugen. „WmdW“ weiß noch nicht einmal, ob die Jens’ und Daniels gewalttätig wurden, weil sie konvertiert sind, oder umgekehrt, ob die beiden schon von Mordfantasien besessen waren und deshalb Anschluss an eine islamistische Terrorgruppe suchten. Mit anderen Worten: Zwei (oder 20) Fälle ergeben keine Theorie, sei’s über Deutschland oder den Islam. Trotzdem sollte man solche islamischen Institutionen als Indoktrinations- und Rekrutierungszentren im Auge behalten. Jeder Fundamentalismus wäscht die Gehirne.

US-General Petraeus legt seinen Irakbericht vor. Wird das irgendwas ändern?

Seit einigen Wochen mehren sich die Nachrichten, dass die Amerikaner unter Petraeus den Anti-Guerilla-Krieg hinkriegen und die Terrorbrigaden in die Defensive geraten sind. Wenn Petraeus den Kongress überzeugen kann, dass dies nicht Zweckoptimismus, sondern Realität ist, könnten die Abzugsimpulse schwächer werden. Dann bliebe es bei einem symbolischen Rückzug von 4000, und die Guerilla stünde plötzlich vor einem Problem: dass die Amerikaner beständiger sind, als Bin Laden stets verbreitet hat. In den USA wird der Besuch von Petraeus mit dem General Westmorelands vor 40 Jahren verglichen, der damals den Kongress wegen Vietnam beschwichtigen sollte. Petraeus ist allerdings der intelligentere Stratege.

Die Achse des Bösen wird kürzer: Die Probleme Saddam Hussein und Nordkorea hat Bush gelöst. Schafft er in seiner Amtszeit auch noch den Iran?

Eine interessante Frage. Ein Präsident, der in Deutschland als Inbegriff des Dumm-Bösen gilt, schafft es, Nordkorea, aber auch Libyen auf den Weg der nichtatomaren Tugend zurückzuholen. Eine großartige diplomatische Leistung, wenn es dabei bleibt. Saddam ist auch weg, und wenn die USA lange genug bleiben, entsteht dort vielleicht eine aufgeklärte Form des arabischen Despotismus, der zusätzlich gemildert wird durch Föderalismus. Der Iran? Nach jedem Besuch dort wähnt „WmdW“ die Schwingen der Freiheit zu hören. Doch die Macht dieses halb-totalitären Regimes wächst. Seit 1979.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

An diesem Sonntag beginnt in Berlin der große Klima-Tourismus. 20 Staaten schicken Minister plus Tross, um Gutes fürs Klima zu beschließen. Ende September trifft sich dieselbe Runde in Washington auf Einladung von Bush. Zuvor geht’s nach New York, wohin UN-Chef Moon die Regierungschefs geladen hat. Danach wird der Klima-Effekt der Rede- und Reisetätigkeit gemessen: Wie viel CO2 wurde ausgestoßen, um wie viel CO2 zu vermindern (auf dem Papier)?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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