Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Der Sarko und die Angie im Wettstreit, wer wohl am besten sänge

Petraeus, Bush und andere: Eine Woche Reden über den Irak – sind wir so schlau wie zuvor?

Nein, etwas schlauer. Interessant ist es erstens, dass kein ernsthafter Präsidentschaftskandidat der Demokraten gefordert hat: „Raus – jetzt und sofort.“ Kein Wunder, denn Hillary Clinton und Barack Obama müssten mit den üblen Konsequenzen eines solchen Rückzugs leben: Blutbad im Irak, Dreiteilung, Zugriff der Nachbarländer, Vorherrschaft Irans plus ungebremster Griff nach der Bombe, Abmarsch der siegestrunkenen Dschihadis nach Afghanistan, wo zum zweiten Mal ein Taliban-Terror-Staat entstehen könnte. Oder so: Sich auf diesen Krieg einzulassen, mag der größte Fehler in der US-Geschichte gewesen sein; Irak fallen zu lassen, wäre garantiert ein noch größerer. Deshalb zweitens: Bush hat die Nation auf eine verringerte, aber lange Präsenz eingeschworen. Und das ist richtig so. Das wissen auch die Europäer. Sogar die Bush-Hasser.

Frankreich und Polen sind Deutschlands wichtigste Nachbarn. Mit Sarkozy und den Kaczynskis gibt es immer mehr Zoff. Was heißt das für Europa?

Was heißt hier Zoff? Doch nicht wie in den Zeiten, als man sich gegenseitig Elsass-Lothringen wegnahm oder eine neue polnische Teilung vollzog. Da sind zwei Alphamännchen (Steinbrück und Sarkozy) im Juli in der EU aneinandergeraten (was jetzt erst bekannt wurde), und da versuchen die K-Brüder antideutsche Ressentiments zu wecken, um innenpolitische Punkte zu sammeln. Aber Berlin ist gegenüber Warschau sehr gelassen geblieben (gut so), und mit Paris wird man sich weiter kabbeln, weil zwischen Sarko und Angie ein Geltungswettbewerb auf der Eurobühne ausgebrochen ist. Nett für die Medien, dem Verhältnis aber kann das nichts anhaben.

Viktor Subkow ist Russlands neuer Premier – ein Mann des Übergangs?

WmdW wird sich hüten, Kreml-Astrologie zu betreiben. Ihm fällt nur eine denkwürdige Parallele ein. Auch Putin stieg seinerzeit aus der Versenkung ins Premier-Amt auf und wurde dann Kreml-Chef. Und siehe da, auch Subkow plaudert schon von einer Präsidentschaftskandidatur. Egal, Putin wird so oder so der Hauptdrahtzieher sein. Wahrscheinlich als Chef der Gasprom, die identisch mit dem russischen Staat ist.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Toll: EU-Präsident Barroso bietet unserem Stoiber-Edi (WmdWs bayerischem Landesvater) einen Job auf Lebenszeit an: Er soll nämlich in Brüssel die Bürokratie abbauen, was angesichts der weidlich bekannten Unmöglichkeit, Regulierungen zu dezimieren, Arbeit für Jahrzehnte bedeutet. Aber wer weiß? Vielleicht schafft es der tatendurstige Stoiber, in kürzester Zeit EU-Präsident zu werden. Und dann Frau Merkel abermals zum Frühstück einzuladen, diesmal nach Brüssel.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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