Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Joschka: Nicht immer nett, aber das Herz auf dem rechten Fleck

Süd- und Nordkorea wollen Frieden. Was steht dem noch im Weg?

Vor allem die Verwirklichung des überraschenden Nuklear-Deals, den die USA mit fünf anderen Staaten (wie Russland und China) Kim Jong Il abgerungen haben. Pjöngjang soll seine waffenfähigen Atomanlagen offen- und stilllegen, dazu das vorhandene Plutonium (acht Kilo reichen für eine Bombe) und womöglich existierende Bomben abgeben. Dieser Versuch läuft aber seit 1994, und nach jedem Einlenken hat Kim eiskalt weitergemacht oder den Preis höher getrieben. Hört eine Kim-Katze je mit dem Mausen auf?

Wladimir Putin will russischer Ministerpräsident werden, um sich die präsidiale Macht zu erhalten. Bleibt uns der Autokrat ewig erhalten?

Solange Gott will, und der wird wollen, weil Putin täglich sportelt und weder raucht noch trinkt. Die Rochade Präsident-Premier ist der richtige Weg, frei nach Franz-Josef Strauß: „Mir ist egal, wer unter mir Präsident ist.“ Putin muss nur dafür sorgen, dass der neue Präsident schwach bleibt, der eigene Machtapparat, die silovye struktury („Machtstruktur“), fortbesteht. Die „Siloviki“ sind die Leute aus den Geheimdiensten und Streitkräften, viele aus Putins Heimatstadt St. Petersburg, die Russland beherrschen. Und wenn’s nicht klappt, wird Putin halt Chef der Gasprom, die noch mächtiger ist als der Staat.

Zwei Ex, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, scheinen auf der Linken die letzten Verteidiger der rot-grünen Reformpolitik und des Afghanistankrieges zu sein. Vermissen Sie die beiden?

Eine gemeine Frage, die WmdW geschickt umschiffen wird. Also, Joschka Fischer war der unterhaltsamste deutsche Außenminister. Sein Herz trug er auf dem rechten Fleck, entzog er sich doch den vorherrschenden Stimmungen im Blick auf Amerika, Israel und deutsche Militäreinsätze. Leider war er nicht immer sehr nett, was ihm selbst Leute übel nahmen, die fest im rot-grünen Milieu wurzeln. Bundesgerd? Er hat ohne Not die deutsche Außenpolitik beschädigt, denn er hätte Berlin aus dem Irakkrieg heraushalten können, ohne das Verhältnis zu Amerika zu ruinieren und Putin in die Arme zu fallen. Aber er fehlt WmdW aus innenpolitischen Gründen. Denn mit Schröder ist auch der reformerische Elan verschwunden, ist satte Zufriedenheit mit dem Status quo eingekehrt.

Ein Wort zu Amerika ...

Öl über 80 Dollar, und die US-Wirtschaft brummt weiter, was wider die historische Erfahrung nach den Ölschocks der 70er Jahre läuft. Im August schien die Erwerbsquote zu sinken; tatsächlich stieg sie. Im September entstanden 110 000 neue Arbeitsplätze. Der Abschwung wird verschoben, die Arbeitslosigkeit bleibt unter fünf Prozent.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!