Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Wahlforschern misstrauen und sich nach Bills Amtszeit sehnen

Wahlkampf in Deutschland: Die Union setzt auf innere Sicherheit, die SPD auf Gerechtigkeit. Wer hat’s bessere Thema?

Wie’s derzeit in den Umfragen aussieht, die SPD. Zum Beispiel in Hamburg und Hessen, wo ihre Werte steigen. Soziale Gerechtigkeit (sprich: mehr Umverteilung in einem Land, wo schon ein Drittel der Wirtschaftsleistung in diese fließt) und Sicherheit (sprich: Angst vor einem winzigen Teil der Ausländer) sind hoch symbolische Themen, bei denen die Fakten eine Nebenrolle spielen. Jugendkriminalität mit „Migrationshintergrund“ scheint aber nicht zu funktionieren; sonst würde Roland Koch (CDU) besser dastehen. Indes, wer den Wahlforschern glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann (siehe deren vernichtende Niederlage bei den Vorwahlen in New Hampshire). „WmdW“ vermutet, dass die Sicherheitsbesorgten aus der Angst, sich als „Rechte“ abzustempeln, ihre Wahlabsichten verschleiern.

Frankreich gründet einen Militärstützpunkt am Persischen Golf. Was will Nicolas Sarkozy dort?

Was will er überall, dieser „Omnipräsident“, der sogar Genscher an Reiselust übertrifft? Aber so neu ist das Nahost-Engagement nicht: 2006 kreuzte schon mal eine Flugzeugträgergruppe im Persischen Golf. Und so dumm ist eine Basis in Abu Dhabi auch nicht – ganz dicht an der Straße von Hormuz, durch die 40 Prozent aller Ölexporte fließen, wo iranische Schnellboote just die Konfrontation mit der U.S. Navy geprobt haben. Alles, was die Umsicht der Iraner stärkt, ist eine gute Sache. Auch für den Rest der Welt.

Rezessionsangst in den USA: Wird daraus ein Wahlkampfthema?

Ist es doch schon geworden, derweil Irak in den Hintergrund rutscht (auch weil sich dort das Kriegsglück zugunsten der USA wendet). Hält der Trend an, wird er für die Demokraten und dort wiederum für Hillary Clinton arbeiten. Die Demokraten sind eine, wenn auch sehr entfernte Variante der Eurosozialdemokratie; ein schützender Staat in unruhigen Wirtschaftsläufen schlägt für sie zu Buche. Und für Hillary. Das Wahlvolk sieht Bill an ihrer Seite und erinnert sich an die goldenen Wirtschaftsjahre in dessen Amtszeit. Dem jungen Obama traut es diese Kompetenz nicht zu.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Der traf sich mit dem syrischen in Berlin. Mag sein, dass Steinmeier sich sowohl gegen Merkel als auch gegen Beck, den jetzigen Kanzlerkandidaten, profilieren wollte. Wenn er sich bloß nicht überhebt. „Mit allen reden, egal, mit wem“ ist noch keine Außenpolitik. Per Plauderei will er Assad dazu ermuntern, den Libanon in Ruhe zu lassen, das Bündnis mit Iran zu lösen oder die Waffenpipeline an die Hisbollah zu kappen? Sicher ist nur, dass er mit dem Alleingang nicht nur den Mitkoalitionär reizt, sondern auch Frankreich und Amerika, die beiden wichtigsten Verbündeten.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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