Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Keine Staatsfrauen anbaggern und die Uhr zurückdrehen

Russland hat gewählt. Wird es jetzt leichter mit Iran, Kosovo und Gas?

Diese drei Probleme stehen für eine neue und zugleich klassische russische Außenpolitik, die den Westen als Gegner und den Umgang mit ihm als machtpolitisches Nullsummenspiel betrachtet: Dein Verlust ist mein Gewinn. Zudem ist sie hoch populär in Russland, also kein persönliches Hobby von W. Putin. Die interessantere Frage betrifft Putins künftiges Verhältnis zu seinem Zögling Medwedew. Normalerweise meucheln die Neuen ihre Gönner, und theoretisch verleiht die Verfassung dem Präsidenten gewaltige Vorrechte. Der hat das Sagen in der Außen-, Innen- und Sicherheitspolitik; überdies kann er den Premier (Putin) jederzeit feuern. Das schafft die enorme Versuchung, sich des Ex-Chefs zu entledigen. Wir gehen also interessanten Zeiten entgegen.

Die Lieblingsfrau von Nicolas Sarkozy heißt nicht mehr Angela Merkel. Stottert der deutsch-französische Motor?

Staatsfrauen sind keine Bräute, und Konsultationstreffen keine Anbagger-Termine. Den hysterischten Kommentar zur Absage von Sarko an unsere Angie hat die italienische „Repubblica“ geliefert: Von „Eiszeit“ redet sie, von „Alarmbereitschaft“ und „vergifteter Atmosphäre“. „WmdW“ kann die Verstimmungen der Vergangenheit (seit de Gaulle/Adenauer) gar nicht mehr zählen. Paris will wieder einmal die Führung in Europa, aber die will Berlin doch auch; Rivalität ist also ein Kern dieser „Ehe“. Genauso richtig ist: Keiner kann ohne den anderen. Folglich werden sie sich wieder zusammen- raufen. Nächste Woche erörtern wir, wie lange die Ehe mit Mme. Bruni halten wird.

Die Linkspartei in Deutschland wird immer stärker. Was ist die bessere Strategie dagegen: einbinden und entzaubern oder isolieren und aussitzen?

Die Linke ist eine reaktionäre Partei; sie will die Uhr zurückdrehen in die Zeit vor der Agenda 2010, also eine Anti-Reform-Politik betreiben, die Deutschland das Leben (Globalisierung, neue Sicherheitsbedrohungen) noch schwerer machen würde. Die Linke gaukelt den Leuten Lösungen vor, die die Probleme nur verschärfen. Sie darf erst dann an der Macht beteiligt werden, wenn sie zukunftsfähig geworden ist. Kurt Becks Koalitionsspielereien kommen viel zu früh. Auch die SPD wurde erst nach dem Reformparteitag von Bad Godesberg (1959) regierungsfähig.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

„WmdW“ ist gerade in Japan, in einem sympathischen Land. Im Vergleich darf man aber Deutschland geradezu als Maschine des Fortschritts feiern. Hier ändern sich die Dinge (z.B. bei Auslandseinsatz oder internationaler Wettbewerbsfähigkeit) doch etwas schneller. Freilich befindet sich D in einer glücklicheren Lage: Es ist umzingelt nur von Freunden, Japan aber von Nordkorea, Russland und China.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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