Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Sarko zeigen, wo der Hammer hängt und den Unbedarften geben

Als Israel zum ersten Mal mit der PLO sprach, war die noch eine Terrororganisation. Warum spricht Israel heute dann nicht mit der Hamas?

Als Rabin und Arafat sich 1993 im Weißen Haus die Hand reichten, war dem bloß eine unblutige Intifada vorausgegangen. Seit dem Abzug aus Gaza sind 4000 Raketen auf Israel niedergegangen; die Stadt Sderot ist praktisch entvölkert. Das ist kein überzeugendes Gesprächsangebot von Seiten der Hamas, die nun aus Iran noch weiter reichende Raketen bekommt. Was will Hamas damit sagen? „Lieber Unrechtsstaat, wir schießen doch nur, weil wir uns mit euch vertragen wollen?“

Als ersten Staatsbesuch empfängt Dmitri Medwedew die Bundeskanzlerin. Ausdruck einer besonderen Beziehung?

Vielleicht hat das Kanzleramt auch nur als Erster um die Einladung gebeten. Dennoch: Seit Bismarcks Zeiten ist Berlin für Petersburg/Moskau die erste Adresse in Europa – und die ewige Versuchung lautet: Zusammen können Russen und Deutsche das Schicksal Europas bestimmen (was allerdings noch öfter in die gegenseitige Zerfleischung geführt hat). Vielleicht aber wollte unsere Angie dem hyperaktiven Sarko (Mittelmeerunion, Flirt mit Amerika) mal zeigen, wo die Machtgewichte hängen. Besser wäre es für Berlin und Paris, dem Putin-Schüler zu zeigen, dass er die EU nicht auseinandermanövrieren kann.

Hillary Clinton holt wieder auf. Zerreißt das Duell die Demokraten?

Erstens hat Clinton nur Obamas Siegessträhne (11 Primaries nacheinander) unterbrochen. In der Zahl der Nominierungsdelegierten liegt der immer noch mit rund 75 vor ihr. Da die Demokraten die Wahlleute nicht wie die Republikaner nach dem „winner takes all“-Prinzip, sondern proportional zu den Stimmen zuteilen, kann keiner der beiden auf die erforderlichen 2025 kommen. Folglich muss jeder jetzt die „Superdelegierten“ bearbeiten – die 796 Ungewählten aus dem Partei-Establishment. Das wird die Demokraten nicht zerreißen, weil sie nach acht Jahren Opposition so hungrig aufs Weiße Haus sind. „WmdW“ wettet auf Obama, weil der in den Umfragen gegen McCain deutlich vor Clinton liegt.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Der hat ein Problem – in der Innenpolitik. In der Direktkanzlerwahlfrage liegt Steinmeier 22 Punkte hinter Merkel, sein Parteichef hinkt mit 42 hinterher. Der Grund? Die „Stones“ (-meier und -brück) finden den Beckschen Links- Links-Kurs nicht so gut – was wiederum die Beckisten in der Partei nicht so gut finden. Beck spielt den Machtkampf am geschicktesten: Er ist und bleibt krank – und wartet ab, wie sich die Reihen formieren/lichten. Dann entscheidet er über die eigene (Neu-)Positionierung. Wie heißt es in der Bibel? Die Unbedarften werden die Schlausten sein und die Vorpreschenden die Letzten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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