Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Dalai Lama zum Rambo erklären – und Kurt Beck stürzen.

Angela Merkel traf bei Ihrer Israel-Reise offenbar den richtigen Ton. Sollte sie jetzt nicht auch über Deutschlands Exporte in den Iran nachdenken?

Wird deutsche Nahostpolitik in Jerusalem gemacht, wie diese Frage insinuiert? Schon im November hatte Merkel weitere Sanktionen im Rahmen der UN angekündigt, falls Teheran beim Atomprogramm nicht einlenke. Auch wolle sie Handelsaktivitäten einschränken, mithin Druck auf deutsche Firmen ausüben, die schon seit 2005 ihre Exporte reduzieren. Man darf der Kanzlerin also unterstellen, dass sie deutsche Interessen verfolgt – zu Recht, weil iranische Atomwaffen auch ein Problem für Deutschland sind. Im Übrigen hielten sich die Schmerzen in Grenzen. Die Iran-Exporte betragen fünf Milliarden Dollar. Das sind 0,3 Prozent aller Ausfuhren.

China kämpft gegen den Aufstand der Tibeter. Ist der Zusammenhalt des Riesenreichs gefährdet?

Wie bitte? Tibet wurde 1950 von der chinesischen Armee unterworfen. Seitdem wird Tibet systematisch „sinisiert“, hat gegen China keine Chance mehr. Ansonsten ist das Opfer schuld, sagt jedenfalls das Parteiorgan Renmin Ribao: „Der ‚friedliche Gewaltverzicht’ der Dalai-Clique ist eine unverblümte Lüge.“ Der Dalai Lama nehme die Spiele in Peking als „Geisel“, um die Unabhängigkeit Tibets zu erzwingen. Überdies plane er mit Hilfe von Muslim-Separatisten Anschläge, um China weiter zu diskreditieren. Mithin: Der Dalai Lama ist nicht nur ein Lügner, sondern auch ein Rambo von Superman-Format. Wir müssen Peking unbedingt in Schutz nehmen.

Barack Obama verliert in den Umfragen. Geht der Obamania die Luft aus?

Das haben wir doch schon mal gesagt, als Obama gegen Hillary in New Hampshire verlor. Das wird das Kommentariat wiederholen, wenn sie im April in Pennsylvania gewinnt. Dennoch führt O. weiter bei den Delegierten: mit 1414 zu 1247. Keiner kann mehr bis zum Parteitag die magische Zahl von 2025 kriegen; die Entscheidung liegt bei den 796 „Super-Delegierten“ aus dem Partei-Establishment. Und die werden ihre Nase in den Wind halten: Wer kann McCain schlagen? Zurzeit liegt der in Umfragen vor beiden: mit 1,3 Punkten vor Obama, und 0,6 vor Clinton. Diese Margen sind statistisch belanglos. Das Rennen bleibt also „spannend“, wie es auf Medien-Sprech heißt.

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Nun wollen 91 Prozent der SPD-Basis den Kanzlerkandidaten per Urwahl, so richtig amerikanisch, küren. Und Steinmeier hat bei weitem die besseren Chancen als sein Parteichef Beck. Zwei Fragen: Wer stürzt Beck, und wer kümmert sich inzwischen um die Außenpolitik?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB

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