Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Raus aus der Sauna - und zwei Wodka auf Putins neuen Kuschelkurs

Die Nato spielt Rückzugsszenarien für Afghanistan durch. Ein richtiges Signal?

Natürlich nicht, aber Verlass ist immer auf die Franzosen, die grundsätzlich gegen den Trend marschieren. Präsident Sarkozy will ein frisches Bataillon nach Afghanistan schicken, etwa 700 Mann. Frankreich als Retter der Nato? Eine hübsche Ironie. Andererseits: Niemand denkt daran, den Taliban das Land zu überlassen. Rückzugsszenarien sind stets ein Signal an die Einheimischen, sich doch etwas mehr um die eigene Sicherheit zu bemühen. Die Allianz würde aber eine Niederlage nicht lange überleben. Dann würde nicht einmal mehr Georgien rein wollen.

George W. Bush hat sich zum letzten Mal mit Wladimir Putin getroffen. Wie waren die beiden als welthistorisches Paar?

Komisch. Erst blickte W. dem Ex-KGB-Mann durch die Augen tief in die Seele und entdeckte einen guten Menschen. Jetzt vertragen sich die beiden nur ein wenig besser als Kurt Beck und Oskar Lafontaine. Die Lehre ist eine alte: Regierungschefs mögen bitte das Geschäft der Staaten nicht mit Freund- und Liebschaft verwechseln. Gott sei Dank kann Merkel mit Putin/Medwedew nicht in die Sauna gehen, wie einst Kohl mit Jelzin. Außenpolitik hat mit der Abwägung von Interessen zu tun, nicht mit Seelenbeschau.

Der irakischen Armee gelingt es nicht, Basra einzunehmen. Sind die Briten zu früh von dort abgezogen?

Eher ist die irakische Armee zu früh rein, aber die Sache bleibt undurchsichtig. Premier Maliki hatte den Amerikanern die Operation als Polizeiaktion verkauft: gegen die Clans und Banden, die in Basra ihre kriminellen und politischen Geschäfte betreiben. Dann aber ging er auf die Mahdi-Armee seines Rivalen Moktada al Sadr los. Der gab letzten Sonntag nach und befahl seinen Mannen, die Waffen niederzulegen. Nun aber stoppt Maliki die Offensive. Er hat offensichtlich die Amerikaner in einen Kampf gezogen, für den er nicht vorbereitet war. Der Kommentar eines anonymen US-Offiziellen spricht Bände: „Das war eine einseitige Entscheidung, ein fait accompli.“

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

Die Gewinner auf dem Bukarester Natogipfel waren Merkel und Sarkozy, kein Liebespaar. Aber zusammen haben sie die Sache so gedreht, dass niemand (außer Mazedonien) beleidigt abfahren musste. Bush kriegte seine Raketenabwehr, Putin das „Schaumermal“ zum Beitritt der Ukraine und von Georgien. Aber weil Putin gemerkt hat, dass er F + D nicht wie im Vorlauf des Irak-Krieges gegen die USA ausspielen kann, bietet er dem Westen plötzlich „Druschba“ an, das ist: Freundschaft. Wenn Moskau jetzt konstruktivere Politik statt einen verschärften Konflikt betreiben will, können wir einen Wodka drauf trinken. Oder gleich zwei.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB

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