Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Bei der Rente kochen und mit dem falschen Bier löschen

Der Bundestag hat den EU-Vertrag ratifiziert. Hatten alle Abgeordneten die 145 Seiten Text sowie die 132 Seiten mit 12 Protokollen und 51 Erklärungen gelesen?

Selbstverständlich, denn was jetzt etwas verschämt „Vertrag von Lissabon“ genannt wird, hieß bis 2005, als es von Franzosen und Holländern abgeschossen wurde, „Verfassungsvertrag“. Die demokratiepolitisch interessantere Frage ist eine andere: Hier gibt der Bürger wieder ein Stück Souveränität ab, ohne gelesen oder debattiert zu haben, was in diesen 400 Seiten steht. Das zeugt von hohem Vertrauen in Brüssel. Oder von höchster Indifferenz, was das nächste Rätsel zeugt: Warum kocht die Volksseele bei etwas mehr Rente, legt sich aber schlafen, wo es um die größten aller politischen Fragen geht?

Nordkorea soll laut amerikanischen Aussagen, Syrien mit Atomtechnik beliefert haben. Verschärft sich der Konflikt mit Pjöngjang wieder?

Nicht mehr zu Bushs Zeiten; der ist kaum noch handlungsfähig. Doch haben die Nordkoreaner den Rest der Welt schon wieder reingelegt. Sie legen ihr Atomprogramm nicht offen, wie sie versprochen haben, und verraten auch nicht, wohin sie Waffenträchtiges liefern. Die Israelis haben zumindest das Problem nordkoreanischer Exporte recht elegant durch die Zerstörung der Anlage in Syrien gelöst. Elegant, weil die arabische Welt beredt schwieg und somit Jerusalem ihren Dank aussprach.

John McCain distanziert sich von Bush. Was für ein Republikaner ist McCain, ein Linker oder ein Neocon?

McCain distanziert sich von Bush seit dem Vorwahlkampf 2000, als ihn die Bushisten mit einer miesen Flüsterkampagne in North Carolina fertig und so dessen Kandidatur gegen W. den Garaus machten. McC. ist seitdem gegen Guantanamo eingetreten; das macht ihn zu einem „Linken“. Er verteidigt den Freihandel gegen die Protektionisten, das macht ihn zu einem Globalisierer, was weder den linken noch den rechten Populisten schmeckt. Und er will den Irakkrieg gewinnen, ist aber kein Neocon. Der Mann positioniert sich dort, wo er die Wahl gewinnen könnte: Als Versöhner von links und rechts, was auch seine Senatskarriere auszeichnet, weil er immer wieder Vorlagen mit den Demokraten eingebracht hat.

Ein Wort zum Außenminister …

Steinmeier wurde gerade zum „Botschafter des Bieres 2008“ gekürt – eine gute Sache, weil Bier zu den besten Produkten „Made in Germany“ gehört. Besonders schätze er westfälisches, niedersächsisches und hessisches Bier. Das ist ein schwerer Fehltritt, weil die Welt deutsches Bier mit dem bayerischen gleichsetzt, das in der Tat auch das beste ist. Behauptet jedenfalls „WmdW“ zusammen mit den Millionen, die alljährlich beim Münchner Oktoberfest einfallen.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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