Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Dem Obermullah Zuckerbrot geben – und sich über die Russen wundern

Israel wird 60. Was sollte die Welt zum Geburtstag schenken?

Vielleicht andere Palästinenser? Also solche, die nicht andauernd Strategien verfolgen, die ihren Interessen zuwiderlaufen. Immer wieder haben die Palästinenser auf das falsche Pferd gesetzt: auf Hitler-Deutschland, auf die Araber- Staaten, die die Juden 1948 „ins Meer treiben” sollten, auf Nasser, der 1967 von Israel, auf Saddam, der 1991 von Amerika geschlagen wurde. Statt in Camp David 2000 den eigenen Staat zu ergreifen, glaubten sie mit Gewalt mehr zu erringen. Was will Hamas jetzt mit seinen Raketen auf Israel erreichen – außer den erneuten Gaza-Einmarsch? Schon 1947 hätten die Palästinenser ihren Staat haben können, wenn sie den UN-Teilungsplan angenommen hätten. Mit einem viel kleineren Israel als heute.

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt die Armee im Zwergstaat Abchasien einmarschieren. Ein Abschiedsgruß an seinen Nachfolger Medwedew?

Eher ein Tritt für die Nato, die gerade auf ihrem Gipfel, die Russen gestreichelt hatte, indem sie Georgien und der Ukraine die Mitgliedschaft verweigerte. Statt dies zu honorieren, provoziert Moskau durch Verstärkung seiner „Friedenstruppen“ in Abchasien und Süd-Ossetien, den beiden abtrünnigen Provinzen Georgiens. Die Botschaft an Tiflis: Seht her, der Westen motzt, kann euch aber nicht helfen. An die Nato: Warum wollt ihr euch eigentlich hier einmischen? Das ist unser Vorhof, wo wir die Konflikte stets zu unseren Gunsten manipulieren können. Wie jetzt, wo wir abermals den pro-westlichen Präsidenten Saakaschwili in seiner ganzen Impotenz vorführen können.

Erst Priklopil, jetzt Fritzl: Wird Österreich zum Musterland für Schwerstkriminelle?

Diese beiden Fälle beweisen nur eines: dass Österreich verdächtig viele Frauenschänder hat, deren Namen auf L enden. In Frankreich hat sich gerade eine Lydia Gouardo gemeldet: Auch sie sei von ihrem Vater vergewaltigt worden und habe sechs Kinder von ihm. Ist Frankreich auch ein Hort der sexuellen Sklaverei? Der „Gewinner“ in dieser Liga ist immer noch Belgien (mit dem Fall Dutroux). Da jeder hier seine „Theorien“ auftischen kann, will auch WmdW nicht zurückstehen: In der hochindividualisierten Gegenwart fehlt die soziale Kontrolle von ehedem, als hundert Augen in der Nachbarschaft ein Ungeheuer wie Fritzl frühzeitig ausgemacht hätten. Deswegen hätte er sich gar nicht erst getraut.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Die großen sechs – Deutschland und die fünf UN-Vetomächte – wollen es noch mal mit Zuckerbrot probieren, um Iran die Bombe abzuschwatzen. Als Honig auf dem Zucker liegt das Angebot, direkt mit Ahmadinedschad zu reden. Nach diesem Ehrenbeweis wird A. sofort alles verschrotten. Eine geniale Idee.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB

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