Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Geschmeidig Waffen liefern und von ganz oben Kapitalismuskritik betreiben

Birmas Regime lässt sein Volk im Stich. Muss die Welt tatenlos zusehen?

Natürlich sollte sie es nicht, aber wenn deutsche Politiker fordern, Humanitäres notfalls zu erzwingen, muss man sie fragen: Wer erzwingt eigentlich? Die Bundeswehr? Burma ist ein quälender Sonderfall. Es hat sich so weit vom Rest der Welt isoliert, dass nicht-militärische Mittel, etwa Sanktionen, nicht funktionieren. Das Prinzip des Regimes ist Abschottung, folglich ist es nicht verwundbar. Immerhin: Etwas lockerer verhält sich die Junta schon. Auf Deutsch: In der Not frisst selbst der Teufel Fliegen.

Deutschlands Waffenexporte erreichen immer neue Höchststände, weltweit liegt das Land auf Rang drei. Sollten wir mehr Skrupel haben?

Vor allem mehr Stolz – Nr. 3, wow! Da sieht man mal wieder, wie deutsche Wertarbeit sich auf dem Weltmarkt durchsetzt. Und deutsches Geschick, weil wir eigentlich nicht in „Spannungsgebiete“ liefern dürfen. Bloß wollen natürlich Länder, die in solchen leben, Rüstungszeug „Made in Germany“. Wie wir das geschmeidig umgehen, zeigt wie gut wir dabei sind, Prinzip und Praxis gewinnbringend zu vereinen. Früher, in Wilhelmien, traten die Deutschen eher als Trampel auf der Weltbühne auf.

Hillary Clinton ist chancenlos, gibt aber nicht auf. Wird sie Vizepräsidentin?

Das war sie schon, wenn auch nur de facto – unter ihrem Gatten Bill. Dann schon lieber Senatorin von New York, wo sich’s ohnehin angenehmer lebt als im Weißen Haus. Diese Bürde würde H. nur auf sich nehmen, wenn, umgekehrt, Obama ihr als Vize zuarbeitete. Das wahre Problem ist Bill, dessen erotische Aktivitäten durch weitere vier Jahre im Weißen Haus (unter Hillarys Aufsicht) schwer gehemmt würden. Deshalb tut er auch (unbewusst) alles, um seiner Frau den Weg dorthin zu versperren. Die Profis in Washington meinen, er habe ihr im Wahlkampf heftig geschadet.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Im weitesten Sinne macht nun auch der Bundespräsident Außenpolitik, indem er die internationalen Finanzmärkte als „Monster“ attackiert. Diese Kapitalismuskritik hat eine alte Tradition in D, die von weit links bis nach weit rechts reicht. Wenn die Lafos und Müntes in Populismus machen, versteht man es wenigstens: Macht für die Partei durch Verdummung der Massen. Aber Köhler, der Ex-Chef des Weltwährungsfonds? Er weiß sehr wohl, dass Märkte keine „Monster“ sind, sondern Systeme, die Millionen von Einzelentscheidungen vereinen. Die Teilnehmer sind ebenso wenig Monster wie IKB und Deutsche Bank, die sich schwer verrechnet haben. Verlust gehört zum Markt ebenso wie Profit; sonst würde er nicht funktionieren. Die Krisen des Marktes, der die Korrektur folgt, zeigen, dass er funktioniert. Die Aktienindices sind fast wieder dort, wo sie vor dem Januar-Crash waren.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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