Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Streubomben ächten und eine Socke namens Euro preisen

VW, Aldi, Lidl, Siemens, die Telekom: wie verkommen ist die Wirtschaftselite?

Bevor wir in allgemeine Kapitalismuskritik ausbrechen, ein wichtiger Punkt: Die Kanalisation stinkt nur, wenn man den Deckel lüpft. Beruhigend ist also, dass der Deckel nicht geschlossen blieb; das zeigt: Es steht 5:1 gegen die Verkommenheit. Hinzu kommt: VW, Siemens und Telekom sind/waren irgendwie Staatskonzerne, die sich gegen das neugierige Auge der Öffentlichkeit abschotten konnten. Für Lidl und Aldi gilt das ebenso, weil sie reine Familienunternehmen sind. Das geht nicht mehr; die Transparenz hat in allen Fällen gesiegt. Und das ist gut so.

111 Nationen bannen Streubomben, die wichtigsten Herstellerländer weigern sich. Gibt es irgendeinen sinnvollen Grund für den militärischen Einsatz der Waffe?

Meinen Sie „rein militärisch“? Streuwaffen sind leider sehr effektive Flächenwaffen gegen feindliche Formationen und nicht gemeiner als Napalm oder 1000-Kilo-Bomben. Das Problem sind die Blindgänger, die das Schlachtfeld verseuchen und hinterher Zivilisten metzeln. Das Abkommen wird die Weiter-Besitzer dazu bringen, Selbstzerstörungsmechanismen einzubauen. Ein Gewinn, aber die Skepsis bleibt: Bisher folgten den Verboten (Dumdum, Gift, Gas) noch viel schrecklichere Waffen (atomare und – im Labor – biologische).

Laut CIA ist das Terrornetzwerk Al-Qaida im Irak und Afghanistan in der Defensive. Werden die Kriege jetzt doch noch gewonnen?

Die CIA ist etwa so verlässlich wie der Wetterbericht der Tagesschau. Aber CIA-Chef Hayden sagt in diesem Fall nur, was andere Beobachter seit letztem Sommer verkünden: Al-Qaida hat überdreht, sich etwa im Irak mit Folter, Mord und Terror Sympathien verscherzt. Das hat es den Truppen der USA und des Iraks leichter gemacht, Informationen aus dem Volk zu kriegen und taktische Siege zu erringen. Selbst an der pakistanisch-afghanischen Grenze. Aber viele taktische Schwalben machen noch keinen strategischen Sommer.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Der virtuelle Euro wird dieses Jahr zehn, der „echte“ zirkuliert erst seit 1.1.2002. Den Zehnten sollte die deutsche Politik mit gebührendem Pomp feiern. Erstens, weil der Euro praktisch eine deutsche Erfindung ist, zweitens, weil das Ding noch lebt. Ein gemeinsames Geld für ein Dutzend Staaten mit so verschiedener Finanzpolitik? Die Währung ist doch keine Socke, die von Größe 36-44 passt. Sie passt doch, die Inflation bleibt niedrig, der Euro steigt im (Außen-)wert und ist Weltwährung geworden. Schmidt und Kohl haben recht behalten, jedenfalls bis jetzt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben