Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Assad soll nach Rügen, Schweden spürt Grenzen, 007 stirbt nie - Josef Joffe über einige Themen dieser Tage.

Josef Joffe
Josef JoffeFoto: Tsp

Beim Syrien-Konflikt hofft der Westen auf den Iran. Ist der Teil der Lösung oder des Problems?

Iran plus Russland sind ein großer Teil des Problems. Jeder russische Bombenangriff wie auf Idlib oder Aleppo löst eine weitere Flüchtlingswelle aus. An die 2000 Iraner stehen in Syrien, wo sie Assads Truppen unterstützen, die das Land terrorisieren. Moskau und Teheran müssten den Diktator fallen lassen. Aber dagegen stehen ihre geopolitischen Interessen; Assad ist Garant ihrer Vormachtstrategie. WmdW hat ein weiteres Problem. Früher erleichterte man Potentaten den Abgang ins bequeme Asyl. König Faruk von Ägypten durfte auf seiner Jacht nach Cannes abdampfen. Heute blieben Assad nur Nordkorea oder der Internationale Strafgerichtshof. Wir müssen den Assads eine gut gesicherte Villa an der Riviera anbieten. Zumindest auf Rügen.

Schweden sagt, man schaffe es nicht mehr, Österreich schiebt Flüchtlinge nach Deutschland weiter. Steht Deutschland ganz allein da?

Stand es doch immer, weil die lieben Nachbarn die Massen ins neue Gelobte Land durchwinkten. Auch gute Menschen wie die Schweden, die mehr Flüchtlinge pro Kopf der Bevölkerung aufnehmen als alle anderen EU-Länder, spüren nun die Grenzen der Fürsorglichkeit. Die Gebote der Moral sind absolut, die Mittel sind so knapp wie die Integrationsfähigkeit. Heute würde Merkel nicht mehr sagen: „Wir schaffen das.“

China schafft die Ein-Kind-Politik ab. Liegt das in unserem Interesse?

Dass es 2050 1,8 statt 1,3 Milliarden Chinesen gibt? Die Chinesen sterben zwar nicht aus, werden aber zur ältesten Bevölkerung der Welt. Deshalb will die Partei die Schlafzimmer für Maos „Großen (Ei-)Sprung nach vorn“ mobilisieren. Doch hat die Partei nicht immer Recht. Je mehr Frauen in Bildung und Jobs einsteigen, desto mehr sinkt – wie in Europa – ihre Gebärlust. Auf jeden Fall dauert es eine Generation, bevor aus Babys Konsumenten werden. Solange muss die deutsche Exportindustrie noch auf dickere Auftragsbücher warten.

Ein (letztes) Wort zu 007....

Ein letztes? Nach 25 Filmen seit „Dr. No“, von denen „Skyfall“ 1,1 Milliarden Dollar eingespielt hat? Nicht „Diamonds are forever“, sondern James Bond – auch wenn er wie in „Skyfall“ scheinbar draufgeht. Sechs Bonds seit Sean Connery beweisen seine Unsterblichkeit. Die Hersteller von Renommier-Artikeln – BMW oder Aston Martin, IWC oder Omega – wären ohne 007 pleite gegangen. Siehe auch die Waffenfirma Walther, deren Bond-PPK mit 9 mm statt einst 7,65 voll im Trend liegt. Aber Bond ist nicht bloß „Product Placement“, sondern Weltkulturerbe. Wo hätten wir sonst gelernt, dass ein Martini „geschüttelt, nicht gerührt“ sein muss? Oder wie man im Casino Millionen gewinnt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Fabian Leber.

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