Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Über US-Grippe lästern – und selbst längst an Lungenentzündung leiden

Erst Schadenfreude gegen die Amis, jetzt selber mittendrin: Hat Deutschland die Finanzkrise unterschätzt?

Sicher ist, dass manche Deutsche, die sich über den Untergang des Imperiums freuen, unterschätzt haben, wie sehr die Weltwirtschaft an die amerikanische gekettet bleibt. Das lässt sich sehr schön an einer Grafik der internationalen Aktienindices ablesen. Seit Jahresbeginn sind die US-Aktien um 25 Prozent gefallen, die asiatischen um 30 und die europäischen um 34 Prozent. Es bleibt also dabei: Grippe in USA, Lungenentzündung im Rest der Welt. Kein Wunder: Die amerikanische ist und bleibt die größte Wirtschaft der Welt (dreimal so groß wie die No. 2, Japan). Überdies ist Amerika der größte Importeur der Welt. Schließlich waren deutsche Banker (vor allem im staatlichen Sektor) genau so blöd wie amerikanische und haben auf Teufel komm raus Papiere gekauft, bei denen ihnen jeglicher Durchblick fehlte.

Das alte Bayern gibt’s nicht mehr. Gut oder schlecht für Rest-Deutschland?

Im alten Bayern haben zwei alte Bayern eine Wahl verloren. Und? Alles, was uns Bayern groß gemacht hat (WmdW ist Münchner) ist noch da: die Alpen, die Isar, BMW, das beste Bier, die besten Schulen, die besten Unis, die coolste Stadt (München). Für die Bavaro-Sozen, denen August Bebel mal gesagt hat, man wandele nicht ungestraft unter Maßkrügen, ging’s noch schlimmer aus. Die CSU hätte lieber die Frau Pauli als den Stoiber Edi abschießen sollen. Dann wäre alles gut gewesen.

Duell der US-Vize-Kandidaten: Sarah Palin schlägt sich wacker gegen Joe Biden. Wie wichtig sind beide wirklich?

Keine US-Wahl ist je durch den Vize- Kandidaten entschieden worden, sondern nur von den Prinzipalen. Die Vizes haben nur eine Funktion: das Ticket auszubalancieren. JFK, der Ostküsten-Brahmane, nahm sich den Texaner LBJ. Der Kalifornier Nixon den Michigander Ford. Der Unbeleckte aus Chicago den Außenpolitik-Profi aus Delaware (Biden). Und McCain holte sich die Hockey-Mom aus Alaska, um den rechten Flügel zu beruhigen. Die VPs sind Valium oder Koks für das jeweils andere ideologische Lager in der eigenen Partei. Der Wahlkampf läuft in der Mitte ab.

Ein Wort zu Amerika ...

Apropos Mitte: WmdW sah sich in der Debatte Biden-Palin von jener Frau bestätigt, die in den hiesigen Medien als Mischung von Dorftrottel und Rechtsaußen gefeiert wird. Mit ihren Parolen über die Schurken der Wall Street überholte sie nicht nur Biden links, sondern auch Lafontaine. „Gier und Korruption“ war ihr Mantra, dazu „staatliche Aufsicht“. Vielleicht könnte P. auch in der Hessen-SPD Karriere machen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt zurzeit in Stanford. Fragen: SB

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