Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Schutz bei den Verführern suchen und plötzlich hölzern wirken

Finanzkrise I: Wie viel Gestaltungsmöglichkeiten hat der nächste US-Präsident?

Genug. Die Finanzkrise ist menschengemacht, also kann sie auch von Menschen geknackt werden. Wichtig: In Japan hat es acht Jahre gedauert, bevor die Regierung eine ähnliche Finanzkrise angepackt hat (Immobilienblase, faule Kredite). In Amerika nur acht Monate. Zur Zeit ist nur der Wahnsinn am Werk, also die schiere Panik. Die „Fundamentals“ sind solide. IBM hat gerade 20 Prozent Gewinnzuwachs im dritten Quartal gemeldet, und die Grenzrendite des Kapitals bleibt überdurchschnittlich hoch (acht Prozent). Nach dem Crash von 1929 fiel sie unter den historischen Durchschnitt und kündigte so die kommende Depression an. Spätestens bei einem Dow-Jones von 8000 kommt die Trendwende, behauptet „WmdW“, der noch nie Geld mit Aktien verdient hat.

Finanzkrise II: Rückt Deutschland weiter nach links?

Weiter? Nach links ist D schon 2005 gerückt, siehe den sehr knappen Wahlsieg der Union. Die Revolte gegen die Reformen Schröders begann schon damals, und mit ihr der Siegeszug der Linken, als noch kein Mensch das Wörtchen „subprime“ aussprechen konnte. Warum die Deutschen ausgerechnet im Aufschwung Schutz bei den Verführern suchten, müssen die Historiker erklären – auch warum sie sich gegen ein Wirtschaftssysem gewandt haben, dass ihnen seit 1948 (Währungsreform, Freigabe der Preise) mehr Reichtum gebracht hat als sie sich je träumen konnten.

Finanzkrise III: Ist nach der moralischen (Irakkrieg) auch die ökonomische Autorität des Westens dahin?

Seit Sommer 2007 gewinnen Amerikaner und Iraker diesen Krieg, egal welche Statistik man nimmt. Die Öko-Autorität? Grundsätzlich darf man sagen, dass Euro-Aktien schneller gefallen sind als amerikanische und asiatische/russische wiederum noch schneller als die europäischen. Ergo: Je mehr Staat im Kapitalismus, desto härter der Sturz. Inzwischen tut der Westen (G7 ohne Russland), was man ihm nie zugetraut hätte: er koordiniert und kooperiert im Kampf gegen die Krise (siehe IWF- und Finanzministertreffen am Wochenende). Das hat zwar zwei Wochen gedauert, ist aber viel besser als die Fototermine, die sonst bei G8-Gipfeln zelebriert werden.

Ein Wort zu Amerika …

„WmdW“ hat seit der zweiten Debatte McCain-Obama niemanden getroffen, der McCain noch den Wahlsieg zutraut. Auch nicht Republikaner. Man konnte es während der Debatte mit Händen greifen: hier der selbstsichere, zurückgelehnte Obama, dort der hölzerne und plötzlich alt wirkende McCain. Der Abstand in den Umfragen liegt zwischen fünf und elf Prozent.

– Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt in Stanford. Fragen: mos.

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