Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Banken verstaatlichen – und Politiker als Moses und Messias verklären

Nicolas Sarkozy will Schlüsselindustrien teilverstaatlichen. Ein Vorbild für Deutschland?

Überall wird teilverstaatlicht, zumal nach dieser Horrorwoche in den Aktienmärkten. Jetzt kauft sich das US-Finanzministerium bei Versicherern wie Hartford und Prudential ein, deren Preis um fast die Hälfte gefallen ist. Das ist insofern gut, als der Steuerzahler nicht nur zahlt, sondern im Aufschwung auch an den Gewinnen beteiligt sein wird. Es ist nicht gut, weil der Staat im Geschäft nichts zu suchen hat. Quasi-Staatsbanken wie zuletzt die BayernLB und die IKB haben noch mehr an Gier & Exzess gelitten als etwa die Deutsche. Politiker sind gut im Kompromiss („Mauscheln“), Koalitionieren („eine Hand wäscht die andere“) und Absichern („Seilschaften“); gute Wirtschaftler müssen aus anderem Holz geschnitzt sein. Sie müssen Risiko erkennen, Phantasie für neue Produkte und Märkte haben.

Machtvakuum bei Israelis, den Palästinensern und in den USA: Kommt dieses Jahr noch der versprochene Friedensschluss in Nahost?

Natürlich nicht. Erstens: Israelis und Pallis haben selten stabile Regierungen, und wenn doch, dann nie zur selben Zeit. Zweitens: In beiden Systemen ist die Veto- immer größer als die Schaffensmacht. Bei den Israelis kann immer ein Koalitionär die Regierung erpressen; bei den Pallis reicht eine Terrorbombe, um den Prozess zu zerstören. Funktionieren wird das erst, wenn alle Vetogruppen mit im Boot sind. Das wird nur ein wenig früher sein als die Ankunft des Messias.

Die EU hilft Georgien mit vier Milliarden Euro. Bekommt Tiflis jetzt auch das Nato-Ticket?

Nein, das eine (das Geld) ersetzt das Andere (das Ticket). Trotzdem war das ein guter strategischer Zug der EU. Er signalisiert den Russen, dass Georgien nicht allein ist. EU und USA haben übrigens beide ein geschärftes Interesse daran, Georgien dem Westen als letzte nicht- russische Energiebrücke aus Zentralasien zu erhalten. Gleichzeitig gibt Geld-statt-Nato den Russen weniger Anlass, sich als Opfer westlicher Einkreisungspolitik aufzuplustern.

Ein Wort zu Amerika ...

Es ist ein Zeichen der Zeit,dass selbst Amerikaner nun geheiligte Prozeduren aushebeln. Also hat der New Yorker Stadtrat mit 29 zu 22 entschieden, dem Bürgermeister Bloomberg die Möglichkeit einer dritten Amtszeit zu gewähren, obwohl es ein Limit auf zwei gab. Keine Stadt wird unter der Finanzkrise mehr leiden als das Geldhauptquartier der Welt. Also muss der Vielfach-Milliardär den Retter geben. WmdW findet „Mike“ B. sympathisch, nicht aber den Hang, Politiker als Moses und Messias zu verklären.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt zurzeit in Stanford. Fragen: SB.

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