Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Bush verabschieden, Obama begrüßen, Westerwelle als Außenminister ahnen

Acht Jahre George W. Bush: Was bleibt von diesem Präsidenten?



Eine Hassfigur für alle guten Menschen in Deutschland. Die „Abschiedsbriefe“, die in diesen Tagen in den Medien über W. stehen, haben in ihrer zwanghaften Wiederholung („Obsession“) geradezu psychiatrische Qualität. Der Mann muss eine Mischung aus Dschingis Khan, Beelzebub und Massenmörder Haarmann sein. So eine große Figur war er nun wirklich nicht. Doch in dieser Rolle fungiert er bis zum Schluss als tolle Projektionsfläche. Man muss nur „Bush“ sagen, und schon verwandelt man sich in eine Ein-Mann-Achse des Guten. Was machen wir bloß ohne ihn nach dem 20. Januar? Bitte bleiben Sie uns erhalten, Mr. Ex-President.

Inauguration von Barack Obama: Sind die Sympathien der ganzen Welt ein Pfund, mit dem der neue US-Präsident wuchern kann?

Natürlich, zumal der Rest der Welt erkennt, dass es ohne Amerika nicht geht. Selbst im Heldenkampf gegen die mächtigen somalischen Piraten brauchten die Europäer die US Navy. China und Indien sind doch nicht die Erlöser in der Weltfinanzkrise. Und Sarkozy wird dem Nahen Osten nicht den Frieden bringen. Bis jetzt hat Obama keine Fehler gemacht, aber er musste auch nicht handeln. Nur wer handelt, also seine Macht einsetzt, kann scheitern. Im Übrigen war es George W. Bush, der im Wahlkampf 2000 sagte: „Wenn wir arrogant sind, werden (die anderen Länder) uns das verübeln; wenn wir stark, aber bescheiden sind, werden sie uns willkommen heißen.“ Dann kam 9/11. Wie liebenswert Obama ist, werden wir erst in der Krise ermessen können.

Gaza-Waffenruhe: Welche Perspektive haben die dort lebenden Palästinenser?

Keine, solange ihre Führung den Streifen als Abschussrampe gegen Israel nutzt. Wenn das aufhört, wird die Grenze durchlässiger. Wenn der Terror versiegt, werden Gazaner auch wieder in Israel arbeiten können. Man kann sich einen Engelskreis vorstellen, der sogar eine Landbrücke zum Westufer einschließt. Das hieße allerdings, dass Hamas vom Traum ablässt, den jüdischen Staat zu vernichten. Hamas will keine Zwei-, sondern eine Einstaaten- und Endlösung, und wer das nicht glaubt, möge regelmäßig ihre Medien in Memri.org lesen (englisch). Die Blutrunst und der Judenhass sind unerträglich auch für abgebrühte Gemüter.

Und ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Die schwarzgelbe Mehrheit in Hessen lässt Ähnliches auch im Bund ahnen. Dann gäbe es einen Außenminister Westerwelle. Schade, wir haben uns gerade an das Trio Merkel-Steinmeier- Steinbrück gewöhnt. Irgendwie waren die schon immer da, und irgendwie verkörpern sie Deutschland in den Nullern wie Kohl es in den Neunzigern getan hat.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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