Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Intelligenter Krieg führen, Buckel-Saabs nachtrauern und Diktatoren besuchen.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Präsident Barack Obama schickt weitere 17 000 US-Soldaten nach Afghanistan. Wird daraus ein Irak oder ein Vietnam?



Ein Vietnam auf keinen Fall. Der wichtigste Unterschied: Der Eroberer Nordvietnam wurde von zwei atomaren Großmächten – Sowjetunion und China – geschützt und ausgerüstet. Damit wurde die gewaltige Macht der USA heftig entwertet, haben sich die Amerikaner doch nicht getraut, den Krieg dauerhaft auf Nordvietnam auszuweiten. Oder die Nachschublinien aus Russland und China zu bombardieren. Dies ist bei Afghanistan nicht der Fall. Die Amerikaner und ihre Verbündeten haben den Krieg gegen die Taliban schon einmal gewonnen. Das war 2001, und der Widerstand der Taliban war nach drei Monaten gebrochen. Zweitens kämpfen die Amerikaner heute sehr viel intelligenter – auch politisch – als vor 40 Jahren.

Benjamin Netanjahu soll Premier in Israel werden. Was kann er besser als der bisherige, Ehud Olmert?

„WmdW“ hätte Netanjahu am liebsten als Finanzminister. In diesem Job war „Bibi“ von 2003 bis 2005 außerordentlich erfolgreich, verwandelte sich doch Israel unter seiner Ägide von einer Art osteuropäischen Staats- in eine moderne Marktwirtschaft. Präsident Peres hat ihm als Erstem den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt: Ob mit Livni (große Koalition) oder ohne sie (kleine), wird seine Regierung auf wackelndem Boden stehen, weil der eigentliche Herr dieser Koalition, Avigdor Lieberman, innen- wie außenpolitisch ein Radikalist ist. Was Bibi besser kann als Olmert? Ihm hängt kein Korruptionsverdacht an.

Der GM-Tochter Opel droht die Schließung. Sollte Angela Merkel ein ernstes Wort mit den Amerikanern reden?

Mit welchen Amerikanern? Noch ist GM kein Staatsbetrieb. Aber betrachten wir die Sache in einem milden Licht. Für die Hypo Real Estate muss Berlin wahrscheinlich eine Billion locker machen. Für Opel (so die Schätzung) nur drei Milliarden. Und in einem Aufwasch gleich die schwedische GM-Tochter Saab mitretten. „WmdW“ ist in beiden Fällen hoch sentimental. Sein erstes Auto war ein Kadett, und wenn er damals das Geld dazu gehabt hätte, hätte er sich einen dieser coolen Buckel-Saabs gekauft.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die wird derzeit vom selbst ernannten Iran-Beauftragten G. Schröder in Teheran gemacht. Wenn Ex-Große Außenpolitik machen (Jimmy Carter fuhr besonders gern in Diktaturen wie Nordkorea), ist die Versuchung übermächtig, im Zuge der Aufmerksamkeitsmaximierung freundlicher mit den Despoten zu reden, als es die eigene Regierung tut. Immerhin hat er den Iranern eine kleine Geschichtslektion erteilt: „Der Holocaust ist eine historische Tatsache.“ „WmdW“ hält’s mit dem Grünen-MdB Nouripour: Schröder soll „lieber aktiv für die SPD Wahlkampf machen als passiv für Achmadinedschad“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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